Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel. Es ist ihr letzter Sommer vor dem College, der beste Sommer seit der achten Klasse. Kim badet im Fluss, steigt in ihren alten Chevy und macht sich auf den Weg zum Schnellrestaurant, wo sie arbeitet. Dann verliert sich ihre Spur. Familie, Freunde, Polizei plötzlich sind alle betroffen. Kims Verschwinden rührt an den Grundfesten der mittelständischen Ordnung. Aus Menschen, die sie kannten, werden solche, die sie bloß zu kennen glaubten. Sie werden sich selbst und einander verdächtig. Und halten nach Kräften an dem fest, was ihnen zu entgleiten droht: Kim oder die Erinnerung an sie, die kleinstädtische Ruhe - und die eigenen Geheimnisse.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.03.2009
Jürgen Brocan hat sich von Stewart O'Nans neuem Roman völlig aufsaugen lassen. So realitätsnah und intensiv findet der Rezensent das Szenario, so präzise und scharfsichtig die Beschreibung des amerikanischen Alltags, dass er das Buch kaum aus der Hand legen mochte. Erzählt wird in "Alle, alle lieben dich" (diesen deutschen Titel findet Brocan allerdings etwas melodramatisch) die Geschichte eines Verschwindens: Die junge Kim Larsen scheint sich eines schönen Sommertages in Luft aufgelöst zu haben. Die Familie ist ratlos, organisiert Suchaktionen und wartet mit schwindender Hoffnung auf ein Lebenszeichen. Nicht die Gründe für Kims Verschwinden stehen bei O'Nan im Fokus des Interesses, informiert der Rezensent, sondern das, was diese Leerstelle mit denen macht, die mit der Ungewissheit leben müssen. Kims Vater zum Beispiel, der sich plötzlich nutzlos vorkommt, oder ihre Mutter, die im Gegenteil in erstaunlichem Aktivismus aufblüht. Das weiß O'Nan meisterhaft darzustellen, findet Brocan, der aber bereits bessere Roman des Autors gelesen hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.02.2009
Subtil und großartig findet Rezensent Ulrich Baron diesen Generationenroman, der seinen Anfang mit dem Verschwinden eines Mädchens nimmt, das nach Ende des Colleges ins Leben aufbrechen wollte. Das Buch erzähle oberflächlich gesehen von der Suche nach der jungen Frau, und umfasse einen Zeitraum von etwa drei Jahren. Darüber hinaus gehe es aber um Tod, Alter, vergebliche Ausbruchsversuche aus der Provinzialität und den trügerischen amerikanischen Traum von Freiheit und ewiger Jugend, die das verschwundene Mädchen nun in seinem Tod gefunden hat, während der Familienhund im Zeitraffer altert. Es gibt, schreibt der Rezensent, keinen roten Faden im Roman, und gerade das unterstreicht für ihn geradezu kongenial, wovon Stewart O'Nan darin erzählt: von der Leere, den feinen Rissen zwischen den Generationen. Aber auch von der Banalität des Lebens, dessen Benutzeroberfläche sich als trügerisch erweise. Gegen diese Oberfläche sieht der zutiefst beeindruckte Rezensent O'Nan die tiefen Verstörungen einer Familie stellen, deren Wunden er nach dem Tod der Tochter bloß liegen sieht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2009
Die Geschichte, die Stewart O'Nan hier erzählt, könnte, so der Rezensent Alexander Müller, auch von seinem Freund und Vorbild Stephen King stammen. Die Meisterschaft, mit der O'Nan aber eine tiefgründige Erzählung über die Folgen einschneidender Ereignisse für alle Beteiligten macht, die sei eben ganz und gar ein Beleg für die mit immer mehr Souveränität eingesetzten Fähigkeiten des Autors. Kim, eine junge Frau, ist verschwunden, damit fängt alles an. Ihre Familie, zuletzt die ganze Stadt Kingsville, Ohio, suchen sie, werden durch dies Verschwinden verändert. Und Stewart O'Nan zeichnet diese Veränderungen geradezu seismografisch auf, so der Rezensent. "Unaufdringlich" und "unaufgeregt" findet Müller das, aber gerade darum sehr "bewegend".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.01.2009
Rezensent Christoph Schröder ist beeindruckt von diesem ungeheuer präzise erzählten Roman, mit dem sich Stewart O’Nan seiner Meinung nach einmal mehr als "genauer Beobachter" der hinter den Kleinstadtfassaden "lauernden Abgründe" erweist. Dabei setze O'Nan nicht auf "spektakuläre, dunkle" Geschehnisse, sondern auf die "feinen Stimmungslagen", wie sich der Rezensent freut. Völlig verkehrt findet Schröder dabei den Klappentext, der einen Thriller verspreche. Seiner Meinung nach ist die Geschichte vor allem ein "mitreißendes, manchmal anrührendes, aber niemals sentimentales Buch" über Trauer und Missgunst, Verlorenheit und Sehnsucht.
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