Dem westlichen Sieg im Kalten Krieg folgte der Sieg des "historischen Revisionismus" in der Geschichtsbetrachtung. Diese Strömung verbindet sich mit Namen wie François Furet, Andreas Hillgruber, Ernst Nolte oder Carl Schmitt. Sie dämonisiert die Revolution von 1789 nicht weniger als die von 1917, verklärt den "liberalen Westen" und verdrängt dessen ureigene koloniale Tradition. Das gilt für die Gräuel an den Kolonialvölkern und die den "minderwertigen Rassen" auferlegte Zwangsarbeit ebenso wie für den Wettlauf der kolonialen Großmächte und die beiden Weltkriege. Rätselhaft bleiben aber auch der Nazismus, der diese Tradition noch radikalisierte, und der Völkermord an den Juden, die von Hitler beschuldigt wurden, Drahtzieher der Oktoberrevolution und des antikolonialen Aufbegehrens zu sein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2009
Als "leidenschaftlich, ergreifend, wissensträchtig, stilistisch glänzend", bezeichnet Rezensent Manfred Funke dieses Buch - aber auch als "erschreckend". Denn in seiner Abwehr jeglicher Totalitarismustheorie verpflichtet sich Domenico Losurdo nicht nur einem "positiven Jakobinertum", er sieht auch in den millionenfach ermordeten Kulaken vornehmlich die Opfer eines "auf beiden Seiten" unmenschlich geführten Bürgerkrieges, wenn wir Funkes Ausführungen richtig verstehen. Leider lässt sich der Besprechung nicht immer entnehmen, was nun dem Buch oder seinem Autor entstammt und wogegen der Rezensent Schalamow, Freud,Talmon oder Heine als Gewährsmänner in Stellung bringt. Deutlich wird Funkes Misstrauen gegenüber Losurdos Versuch, "die Autonomie der hehren Ziele" gegen den Terror aufrecht zu erhalten. Auch ist Funke nicht ersichtlich, wo genau Losurdo den historischen Revisionismus "triumphieren" sieht.
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