Verräter an alten linken Idealen, williger Mitläufer der Nazis oder eigenwilliger Künstler, der auch unter der NS-Dikatur seinen Mitmenschen half, wo er konnte? Die Person des Schauspielers Heinrich George, Millionen bekannt als "Postmeister" im gleichnamigen Ufa-Spielfilm, wird in einer präzise recherchierten Biografie dargestellt. Sie zeichnet sich aus durch die Einbeziehung umfassenden Quellenmaterials, zahlreicher zeitgenössischer Publikationen und aktueller Darstellungen. Erstmals wurden die relevanten Akten des Ministeriums für Volksaufklärung und Propaganda nahezu vollständig ausgewertet. Dem Autor standen ebenfalls die Dokumente des Privatarchivs George uneingeschränkt zur Verfügung. Darüber hinaus befragte er prominente Zeitzeugen, wie Will Quadflieg, O. W. Fischer und Boleslaw Borlag.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2000
Rezensent Frank Busch beginnt seine Besprechung mit einem langen Auszug aus dem Dossier über Heinrich Georges Verstrickungen ins Nazi-Regime, das 1945 erstellt wurde. Er stellt diesen Auszug programmatisch gegen die Dissertation von Kurt Fricke, die eine ungeschminkte Apologie des Schauspielers und Intendanten George sei - überzeugen kann sie den Rezensenten jedoch nicht. Die Lesbarkeit, so bemängelt er, ist durch den dissertationstypischen "Vollständigkeitswahn" beeinträchtigt, noch dazu hat Busch angesichts der allzu deutlichen Parteinahme des Autors ein ungutes Gefühl. Das Bild, das dadurch entstehe, sei "biedersinnig und eindimensional".
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