Carl Jacob Burckhardt und Marion Dönhoff trennten fast zwanzig Lebensjahre. Sie hatten unterschiedlicher nicht sein können. Der konservative Basler Historiker, Alteuropäer, Homme de lettres - und auf der anderen Seite die ostpreußische Gräfin, die nach ihrem spektakulären "Ritt gen Westen" 1946 in die liberale Wochenzeitung "Die Zeit" eintrat und später zur Grande Dame des deutschen Journalismus aufstieg. Die hier abgedruckten Briefe beginnen 1952 und enden im Februar 1974, wenige Tage vor Burckhardts Tod.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.06.2009
Angetan zeigt sich Eric Gujer von diesem Briefwechsel zwischen Marion Gräfin Dönhoff und Carl J. Burckhardt, den Ulrich Schlie herausgegeben hat. Er sieht in der Korrespondenz das Dokument einer lebenslangen Freundschaft sowie das "lebendige Panorma" der Epoche des Kalten Kriegs. Der Band bietet in seinen Augen auch Einblicke in das private Leben der Gräfin, so dass ihre Person "neue Tiefe und Plastizität" gewinnt. Nicht zuletzt vermittelt der Band für Gujer das Bild einer verlorenen Welt, der ehemaligen ostpreußischen Heimat Dönhoffs. Mit Lob bedenkt er schließlich die Sorgfalt, mit der Schlie die Briefe ediert und kommentiert hat.
Sehr berührt ist der ehemalige Dönhoff-Mitarbeiter und Rezensent Haug von Kuenheim von diesem Briefwechsel Marion Dönhoffs mit dem einstigen Danziger Hohen Kommissar, den sie verehrt und möglicherweise auch geliebt habe. Hier offenbart sich ihm eine neue, persönliche Seite seiner Chefin, die über ihr ?früheres Leben? kaum je ein persönliches Wort verloren habe. Von Kuenheim freut sich an wunderbar geschriebenen, fast poetischen Passagen, an gefühlvollen wie scharfsinnigen Betrachtungen von großer ?politischer Intelligenz?. Und ihrer Fähigkeit, mit ein paar Worten auf knappstem Raum höchste atmosphärische Dichte zu erzeugen. Immer wieder zeigt sich der Rezensent bewegt von der fast sehnsuchtsvollen Seite der ostpreußischen Aristokratin, die er stets als sehr beherrscht erlebte.
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