Reflexionen über Zeit begleiten das philosophische Nachdenken seit seinen Anfängen. Schon das präphilosophische mythologische Weltverständnis operiert mit Zeitvorstellungen, freilich nicht abstrakt, sondern eingebettet in symbolische Handlungen, Riten, Kulte, Sitten und Gebräuche. Auch das vorwissenschaftliche alltägliche Leben und Handeln ist geleitet von Zeitvorstellungen unterschiedlichster Art. Zeit ist ein Grundfaktor des Lebens. Karen Gloy legt eine packende Geschichte der Zeittheorie vor, die von Platon, Aristoteles und Plotin, über Augustin, Newton und Kant bis zu Husserl und Heidegger reicht. Ihr Buch zeichnet sich durch detaillierte Einzelinterpretationen der eminenten Zeittheoretiker aus, stellt diese aber in einen übergreifenden geschichtlichen Zusammenhang.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.12.2008
Manfred Geier hat mit großer Aufmerksamkeit Karen Gloys "Philosophiegeschichte der Zeit" gelesen und findet daran ganz besonders reizvoll, dass sich in der Nachzeichnung verschiedener Zeitvorstellungen von Platon bis Heidegger eine "philosophiegeschichtliche Eigenzeit" ergibt. Die Autorin folgt in ihrem Abriss den Zeitvorstellungen Platons, Aristoteles', Plotins, Augustinus', Kants und Husserls, teilt der Rezensent mit. Und wenn sich dabei ein zyklisches Zeitverständnis wie bei den Vorsokratikern oder ein lineares wie bei späteren Philosophen herauskristallisiert, so wird doch deutlich, dass die Philosophie in ihrer "unaufhörlichen Erneuerung" großer Fragen ihre eigene Zeit hat, so Geier gefesselt.
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