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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Sergej Dowlatow

Der Koffer

Roman

Cover: Der Koffer

DuMont Verlag, Köln 2008
ISBN-10 3832180737
ISBN-13 9783832180737
Gebunden, 160 Seiten, 17,90 EUR

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Klappentext

Mit einem Vorwort von Wladimir Kaminer. Aus dem Russischen von Dorothea Trottenberg. Sergej taugt nicht zum ordentlichen Kommunisten. Als er endlich die Ausreisegenehmigung bekommt, darf er nur einen Koffer mitnehmen. Einen Koffer für ein ganzes Leben. In New York angekommen, schiebt er ihn schnell unter sein Bett. Dort entdeckt er ihn Jahre später wieder. Er öffnet den Koffer - und die Vergangenheit springt ihn an. Da sind zum Beispiel die hellgrünen finnischen Acrylsocken, mit denen er auf dem Schwarzmarkt nicht reich wurde. Oder die Schuhe, die er dem Parteisekretär geklaut hat... Die Geschichten um die schäbigen Hab­seligkeiten im Koffer umreißen Sergejs erstes Leben und lassen die sowjetrussischen Siebziger in ihren allerschönsten Graubrauntönen aufblitzen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.09.2009

In ihrer Hommage an den 1990 im New Yorker Exil gestorbenen russischen Schriftsteller und Journalisten Sergej Dowlatow stellt die Lyrikerin Olga Martynova dessen Erzählungsband "Der Koffer" und seinen Roman "Der Kompromiss" vor. Im vorliegenden Band erzählt ein mit dem Autor den Namen teilender Erzähler die Geschichten zu den Dingen und Kleidungsstücken aus einem Koffer, dem einzigen Gepäckstück, das er aus der Sowjetunion ins amerikanische Exil mitgenommen hat, teilt die Rezensentin mit. Sie erkennt hinter den amüsanten Geschichten beispielsweise um ein Paar Schuhe, das der Erzähler dem Leningrader Bürgermeister geklaut hat, oder dem Anzug, den er zu offiziellen Beerdigungen zu tragen pflegte, einen "bitteren Hintersinn", der die Realität im Sozialismus evoziert. Und hier verankert Martynova auch die "Bedeutung" des zunächst nur in Amerika erfolgreichen aber nach seinem Tod auch in Russland gefeierten Schriftstellers.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2008

Dankbar ist Lena Bopp, dass dieser Roman von Sergej Dowlatow, der 1986 bereits in den USA erschien und jetzt erstmals auf Deutsch vorliegt, so amüsant und ironisch vom schrecklichen und beschwerlichen sowjetischen Alltag erzählt. Die Hauptfigur dieses Romans, der mit dem Autor den Namen teilt, verlässt mit nur einem Koffer die Sowjetunion und geht nach New York ins Exil; der Inhalt seines Koffers, den er erst vier Jahre später wieder öffnet, ist der erzählerische Anlass für die ziemlich komischen Erinnerungen an das Leben im Sozialismus mit seinen verschiedensten Kalamitäten, so die Rezensentin. Auch wenn Bopp natürlich bewusst ist, dass die Realität alles andere als amüsant war, so findet sie es doch höchst befreiend, jetzt darüber lachen zu dürfen.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.11.2008

Eins haben die Helden in Sergei Dowlatows Büchern "Der Koffer" und "Der Kompromiss" gemeinsam, schreibt Rezensent Jörg Plath: Sie sind Streuner, Tagediebe, die sich auf nichts festnageln lassen. Das Ausweichmanöver ist gewissermaßen ihr Ziel. Dowlatow, erfahren wir, wurde 1941 geboren, lebte nach einem Journalistikstudium von 1972 bis 1975 in Estland, war dann Fremdenführer auf Puschkins Landgut und emigrierte 1978 in die USA, wo er nicht ganz erfolglos blieb. Immerhin, so Plath, druckte der "New Yorker" zehn seiner Erzählungen. "Der Koffer" ist ein Gepäckstück, das ein Emigrant bei der Ausreise mit sich schleppt und nach Jahren erstmals öffnet. Darin finden sich unter anderem drei erbsfarbene finnische Acrylsocken, ein Zweireiher und eine Wintermütze, deren - zumeist wohl ziemlich groteske - Geschichte er erzählt, referiert der Rezensent. Dowlatow erzählt von "Weltverbesserern, Schnapsdrosseln und Unglücksraben", die sich irgendwie durchzumogeln scheinen. Er zeigt sozusagen die "klassenlose Sowjetunion von unten", meint der Rezensent, der sich ganz gut amüsiert zu haben scheint, zumal Dorothea Trottenberg den Roman "passend lakonisch" übertragen habe.

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