Die Bücherverbrennungen von 1933 werden erstmals in ihrer deutschlandweiten Dimension dokumentiert. Die Autoren des Bandes haben durch Einzeluntersuchungen zu 62 Städten dazu beigetragen, 94 heute nachweisbare Bücherverbrennungen aufzuarbeiten. Während die Bücherverbrennungen bisher als eine vorübergehende, auf den Mai 1933 beschränkte und von Studenten organisierte Aktion eingeordnet wurden, ergibt sich nun ein gänzlich neues Bild des Gesamtphänomens. So kann gezeigt werden, dass bereits ab März 1933, also schon vor dem 10. Mai, zahlreiche Autodafes stattfanden. Bis in den Oktober 1933 hinein brannten in Deutschland die Scheiterhaufen. Es handelte sich dabei nicht nur um temporäre Massenevents, sondern um das Resultat dessen, was sich in den Wochen und Monaten zuvor landesweit zugetragen hatte: Plünderungen oppositioneller Parteigebäude, Razzien und Verhaftungen in Privatwohnungen, Säuberungen von Leihbüchereien und Buchhandlungen. Es folgte die Vertreibung der kulturellen und wissenschaftlichen Exzellenz aus Deutschland.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2008
Für Jan Wiele gelingt dem von Julius H. Schoeps und Werner Tress herausgegebenen Aufsatzband durchaus eine Revision der Bücherverbrennungen von 1933. Den Einzelstudien zur Organisation und zur medialen Verarbeitung der Ideenvernichtung entnimmt der Rezensent zum einen, dass der Anstoß zu den Bücherverbrennungen aus der Mitte der Universitäten kam. Zum anderen erkennt Wiele die Mitverantwortlichkeit der Hitlerjugend und des Kampfbundes für deutsche Kultur. Das dargebotene reiche Quellenmaterial aus Stadtarchiven und Lokalpresse lässt Wiele zudem das flächendeckende Ausmaß der Aktionen sowie die "Bandbreite der Brandrhetorik" erahnen.
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