Wie erklärt man einem Muslim das Christentum? Felix Körner arbeitet an dieser Frage sowohl mit muslimischen Theologen als auch in der türkischsprachigen katholischen Gemeinde von Ankara. Das Buch dokumentiert eine Entwicklung. Sie begann bei den christlichen Theologen des 8. Jahrhunderts. Gesucht wurde das schlagende Argument des Christentums. Nun aber zeigt sich: Erst wo das Scheitern der Überzeugungsversuche als Erfahrung heilsamer Schwäche in die Darstellung einbezogen wird, begründet man nicht mehr eine Lehre, sondern bezeugt die Zugehörigkeit zu Christus. Angesichts der islamischen Herausforderung kommt das kirchliche Zeugnis zu sich. Christsein ist als die Zumutung zu formulieren, dass Gott sich in der Geschichte selbst riskiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008
Felix Körner hat in Ankara gelebt, ist jetzt als Dozent an die päpstliche Universität berufen, und Islamwissenschaftler ist er auch. Ein Experte also fürs Interreligiöse, der freilich - und das weiß Rezensent Rainer Hermann sehr zu schätzen - für falsche Kompromisse nichts übrig hat. Es kann nicht darum gehen, so Körners zentrales Argument, dass sich die Religionen irgendwo in der Mitte treffen. Die Lösung fürs Miteinanderleben ist vielmehr die "bewusste Unterscheidung", denn erst das Wissen um die Differenz macht den vernünftigen und friedlichen Austausch möglich. Drei zentrale Axiome des Christentums legt Körner dem Differenzbewusstsein zugrunde, die mit dem Koran-Glauben nicht vereinbar sind, darunter der Sinn für die fundamentale Nicht-Selbstbestimmtheit des Menschen in Gottes Hand. Völlig plausibel findet der Rezensent dieses Vorgehen und wünscht dem Theologen Stimme und Einfluss am päpstlichen Hofe, an dem Körner fortan lehrt.
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