Die Guillotine und die Revolution. Entstanden aus dem Geist der Aufklärung und in der Absicht, die Todesstrafe schnell und schmerzlos zu vollziehen, wird die Guillotine zum Symbol der jakobinischen Schreckensherrschaft. Erst das mechanische Fallbeil macht jene fürchterliche Verbindung von Tugendwahn und Terror möglich. Mit der Geschichte der Guillotine entfaltet sich zugleich das Panorama einer dramatischen Epoche, in der die Fundamente der modernen Gesellschaft gelegt wurden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.12.2008
Einem "zeitlos bedrängenden" Thema nähert sich Hans Pleschinski in seiner Rezension von Andreas Schliepers Geschichte der Guillotine. Von Beginn an verbinde der Autor, ein Psychologe und Publizist, seine Studie mit einem Plädoyer gegen die Todesstrafe: Eine "Humanität" beim Töten, wie sie mit der Guillotine angestrebt worden sei, gebe es nicht. Schlieper sieht die Guillotine als Instrument der Aufklärung, die vormoderne Marterqualen beenden und auch bei der Höchststrafe Rechtsgleichheit einführen wollte. Im Zuge der Radikalisierung der Französischen Revolution erweist sich jedoch, wie der Autor überzeugend deutlich mache, gerade dies als Zivilisationszäsur, die ein funktionalisiertes serielles Töten im Namen einer Gesinnungsethik in Gang setzte und den modernen Typus des Schreibtischtäters hervorbrachte. Einen großen Teil des Buches nimmt die Biografie des Erfinders, des Arztes Joseph-Ignace Guillotin, ein. Den Anfang des Buches findet der Rezensent "arg abschweifungsreich", insgesamt aber ist er von der "beklemmenden" Studie aber offenbar angetan, spricht dem Autor Feingefühl zu und findet auch seine gelegentliche "bedachte Ironie" nicht unangemessen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008
In so großer Klarheit wie hier hat man das, staunt die Rezensentin Gesine Hindemith, auch noch nicht zu lesen bekommen: Die Guillotine war zuerst und zuletzt ein scharfes Instrument zur Durchsetzung aufklärerischen Denkens. Kein Foltern und Vierteilen mehr, kein stundenlanges Quälen vor Publikum. Stattdessen: Ein Hieb - wenn alles lief jedenfalls, wie es sollte - und durchgesetzt war das Recht. Der Psychologe Andreas Schlieper nun erzählt die Geschichte dieser Erfindung und bettet sie ein in den Kontext ihrer Entstehungszeit. Nicht durchweg überzeugend findet Hindemith die vom Autor gewählten Mittel, der nämlich allzu psychologisierend den Motiven des Mediziners Guillotin nachforscht. Gern gelesen hat die Rezensentin das Buch trotzdem. Weil nämlich die Anekdoten "allemal amüsant" sind und man einfach etwas lernt.
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