Aus dem Amerikanischen von Frank Jukubzik. Nationalstaatliche Grenzen definieren die einen als Mitglieder, die anderen als Fremde. Wenn aber die staatliche Souveränität zunehmend ausfranst und die nationale Staatsbürgerschaft immer mehr ausfasert, wie es im Gefolge der Globalisierung geschieht, dann werden auch ihre Definitionen immer unklarer. Hier sieht Seyla Benhabib eine der dringlichsten und problematischsten Aufgaben der heutigen Weltpolitik. In "Die Rechte der Anderen" untersucht Benhabib die Prinzipien und Praktiken zur Einbindung von Fremden und Immigranten in die bestehende politische Praxis. Sie greift dabei auf aktuelle Beispielfälle zurück, unter anderem auf den "Kopftuchstreit"i n Frankreich und Deutschland.
Rezensentin Hilal Sezgin kann dieses systematische Buch zum Kosmopolitismus nur empfehlen, das sie besonders als Einstieg in Denken und Diskurse dieser ?besonders beeindruckenden? politischen Philosophin für eignet hält. Denn die in Istanbul geborene jüdische Türkin, die seit den 70er Jahren in den USA lebe und lehre, biete eine höchst spannende Weiterentwicklung der zuerst von Jürgen Habermas entwickelten These zur Janusköpfigkeit des Nationalstaats, seiner Dialektik von Inklusion und Exklusion - und zwar unter den Bedingungen der Globalisierung. Seyla Behabib sei außerdem neben Habermas eine der vehementesten Verfechterinnen der Diskursethik, weshalb sie das ?Betreten des Territoriums fremder Staaten? und damit verbundene Bürgerrechte als Konsequenz eines grundsätzlichen Menschenrechts beschreibe. Die Rezensentin wünscht sich daher, dass Benhabibs offensive Überlegungen aktuelle Debatten und Gesetzgebungsverfahren zu beeinflussen vermögen. Allerdings mangelt es am Ende der insgesamt ideengeschichtlich ausführlichen und systematischen Argumentaion der Autorin aus Sicht der Rezensentin ein wenig an Konsequenz, weshalb sie das Buch nicht hundertprozentig zufrieden beschließt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.10.2008
Für Michael Schefczyk macht Seyla Benhabib den Eindruck, als habe sie auf halbem Wege der Mut verlassen. Nichts wird schließlich in diesem Buch über die Recht von Zuwanderern so heiß gegessen, wie erst gekocht, wie er an zwei Fragen deutlich macht. In der Frage der Freizügigkeit schränkt sie das zunächst angedeutete Recht auf Einwanderung ein, indem sie nur noch die Verpflichtung der Staaten gegenüber Flüchtlingen und Verfolgten hochhält. Auch von dem postulierten "Menschenrecht auf Zugehörigkeit" bleibt Schefczyks Erachtens nach nicht viel übrig, wenn es Benhabib es dahingehend erläutert, dass verboten sein muss, nach religiösen, ethnischen, rassischen oder sexuellen Merkmalen zu entscheiden. Das ist dem Rezensenten alles in allem zu "unentschlossen".
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