Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Eine radikal neue Perspektive auf das Zeitalter der Weltkriege und totalitären Regime in Europa. Enzo Traverso entfaltet ein Panorama der Jahre zwischen 1914 und 1945, die für ihn zur Epoche eines großen europäischen Bürgerkriegs verschmelzen. Das Buch sucht nach Verbindungslinien zwischen politischen Prozessen und Entwicklungen in Literatur, Philosophie, Kunst und Film, die sich über alle ideologischen Lager erstreckten. Es will bewusst machen, dass die politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts allein aus einem nationalen Kontext heraus nicht zu verstehen sind. Die beiden Weltkriege und die verschiedenen totalitären Regimes erscheinen als Teil einer gemeinsamen europäischen Geschichte, die in den Sog eines gewalttätigen Denkens geraten war.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Enzo Traverso: Im Bann der Gewalt - Informationen und Leseprobe beim Siedler Verlag
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.03.2009
Ralf Hanselle ist nicht überzeugt von diesem Geschichtsansatz, in dem der Historiker Enzo Traverso versucht, die beiden Weltkriege zu einem "europäischen Bürgerkrieg" zusammenzufügen. Das, informiert der Rezensent, hat in den achtziger Jahren bereits Ernst Nolte versucht, dessen Standpunkt Traverso in seinem Buch nun attackiert. Traverso widerspricht Noltes Grundkonzept, das den Faschismus als Antimarximus begreift, und wirft ihm einen "apologetischen Ansatz" bezüglich des Nationalsozialismus vor, erfährt der Leser der Rezension. Allerdings, meint der Rezensent, begeht der Autor in seinem Buch einen ähnlichen Fehler wie Nolte: "Traverso erkennt hinter der Geschichte nicht die Wirkkraft des Faktischen, sondern sieht das Walten großer Geister und Ideen." Der Autor verliere sich in philosophischem Geplänkel und "schöngeistigen Texten", statt Fakten zu dokumentieren, bemängelt Hanselle, und blicke zudem nicht über seinen politischen Tellerrand.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2008
Einen kritischen Blick wirft Rezensent Hans-Christof Kraus auf diese Arbeit über den "europäischen Bürgerkrieg 1914 bis 1945", die der Historiker Enzo Traverso vorgelegt hat. Das Anliegen des Autors, den linken "Antifaschismus" der Seite der "Aufklärung" zuzurechnen und zu rechtfertigen, betrachtet er skeptisch. Insbesondere Traversos fundamentale Kritik des Historikers François Furet und dessen liberalen Antitotalitarismus scheint ihm nicht überzeugend. Auch die Behauptung, liberale und demokratische Ideale wären keine echte Alternative gegen den Faschismus gewesen, hält Kraus für verkehrt. Trotz seiner Kritik zeigt er sich beeindruckt von einer Reihe von Einzelanalysen über die Manifestationen der Gewalt und der Angst im politischen und sozialen Leben sowie in Musik, Kunst, Film und Literatur.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.12.2008
Der hier rezensierende Historiker Gerd Koenen betont, auch Anregendes und produktive Fragen in Enzo Traversos Geschichte des "europäischen Bürgerkrieges" gefunden zu haben. Doch in seiner Besprechung überwiegt eindeutig der Ärger über seinen italienischen Historikerkollegen. So stört sich Koenen zunächst einmal am Duktus des "trotzkistisch sozialisierten" Autors, der eher in historischen Totalen und Diskursströmen schwelge als konkrete historische Situationen zu beschreiben. Auch die Aufteilung der Welt in ein nationalsozialistisches und ein - mangels liberaler Alternativen - notgedrungen von Stalin angeführtes antifaschistisches Lager erscheint Koenen als nicht weniger pauschale Umkehrung von Ernst Noltes Duell der ideologischen Extreme. Koenen fragt zum Beispiel, ob sich Stalins Antifaschismus wirklich in erster Linie gegen das nationalsozialistische Deutschland richtete oder warum dieser in Trotzkis Schrift "Verratene Revolution" das vorrangige Programm zur Unterminierung der Sowjetunion sah - und nicht in Hitlers "Mein Kampf". Dass die Moskauer Prozesse und der Große Terror bei Traverso nur am Rande behandelt werden, erstaunt den Rezensenten dann gar nicht mehr.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.10.2008
Dieses Buch hat für Rezensent Tim. B. Müller ein Fenster aufgerissen, den alten "gedanklichen Mief" vertrieben und ganz neues Licht auf den bereits etwas glanzlos gewordenen Antifaschismus geworfen. Der Historiker Enzo Traverso schreibt darin die Geschichte zwischen den Jahren 1914 bis 1945 als Geschichte des europäischen Bürgerkrieges, einen totalen, allumfassenden "monströsen Kampf der Ideologien", wobei Traverso durchaus auf Ernst Nolte und Carl Schmitt zurückgreift. Was den Rezensenten vor allem bewegt und beeindruckt, ist, dass Traverso in seinem "grandiosen, kraftvollen Buch" gegen das Hohelied auf den Liberalismus ansingt. Für Traverso - und erst recht für Müller - war der Liberalismus keine Option mehr. Angesichts des Faschismus musste man sich "gegen die Vernichtung der Zivilisation" stellen und mit der Sowjetunion paktieren: "Wer sich in diesem Augenblick nicht durch das Bündnis mit dem Kommunismus kompromittierte, der machte sich schuldig", schreibt Müller dankbar für diese Rehabilitierung des Antifaschismus.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2008
Grundsätzlich wichtig und in weiten Teilen überzeugend findet Rezensent Hans-Ulrich Wehler dieses Buch über die Gewaltexplosion in Europa zwischen 1914 und 1945. Besonders als Antwort auf die "zweifelhafte Weise", mit der der Historiker Ernst Nolte in seinem Buch "Der Europäische Bürgerkrieg", das 1986 den Historikerstreit auslöste, den Bürgerkriegsbegriff "verengte", begrüßt Wehler das Buch, das seiner Beschreibung zufolge auch mit einem breiten Blick auf Indizien aus den Kulturerzeugnissen der Epoche glänzt. Der Rezensent hat aber auch gewichtige Einwände. So "streng analytisch" und "häufig überzeugend" der italienische Altlinke sein "rundum deprimierendes Panorama" auch entwickelt, die Begrenzung der Überlegungen auf Europa findet Wehler sachlich nicht richtig. So notiert er auch Schwächen bei der "Erklärung des Hauptphänomens", da man die "geschichtsmächtigen" Ereignisse der Epochen in Russland, China, Amerika oder Japan nicht so einfach "in den engen Rahmen des Europäischen Bürgerkrieges" spannen könne. Auch moniert er ein paar "ärgerliche" sachliche Fehler, die ein kompetenteres Lektorat hätte verhindern müssen.
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