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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Torsten Diedrich

Paulus

Das Trauma von Stalingrad

Cover: Paulus

Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2008
ISBN-10 3506764039
ISBN-13 9783506764034
Gebunden, 580 Seiten, 39,90 EUR

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Klappentext

"Ja, ich weiß, die Kriegsgeschichte hat schon jetzt das Urteil über mich gesprochen." Der dies sagte, in den Ruinen von Stalingrad Ende Januar 1943, war Friedrich Paulus, Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber der Reste seiner eingeschlossenen Sechsten Armee. Wenige Tage später kapitulierte er und ging für zehn Jahre in sowjetische Gefangenschaft. Bis auf den heutigen Tag zählt Friedrich Paulus (1890-1957) zu den bekanntesten, aber auch umstrittensten Heerführern des Zweiten Weltkriegs. Sein Name ist untrennbar mit dem Drama der Schlacht um Stalingrad, mit dem Untergang der Sechsten Armee verbunden. Doch das Urteil über Paulus nur auf die wenigen schrecklichen Monate von Stalingrad zu stützen, es auf die Frage zu verengen, ob er seine Armee hätte retten können, hätte er nur den Mut zu selbständigem Handeln gegen Hitlers Befehl aufgebracht, täte dem Leben dieses Offiziers unrecht. Torsten Diedrichs Biografie ist die erste vollständige Darstellung von Paulus' Lebensweg vor Stalingrad und danach. Sie zeichnet eine glänzende Karriere nach, die Paulus bis ins Zentrum des Oberkommandos des Heeres führte, bevor er 1942 die Sechste Armee übernahm. In der Gefangenschaft brach er 1944 mit Hitler, stellte sich der sowjetischen Propaganda zur Verfügung und trat als Zeuge der Anklage im Nürnberger Prozess auf. Dem ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Ebenso seiner Rückkehr nach Deutschland, in die DDR, in deren Dienst er sich stellen ließ und von der er die Wiedervereinigung Deutschlands erhoffte - ein Abschnitt seines Lebens, der bis heute weithin unbekannt geblieben ist. Diedrich räumt mit vielen Vorurteilen auf und gibt Einblick in das Denken, Fühlen und Handeln eines Mannes, der deutsche Geschichte mitschrieb und dabei zu einer tragischen Figur wurde.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2008

Johannes Hürter begrüßt diese Biografie über General Friedrich Paulus, die der Historiker Torsten Diedrich vorglegt hat. Er würdigt sie als erste umfassende, "gültige" Biografie des Generals, der oft als Hauptschuldiger für den Untergang der deutschen 6. Armee in Stalingrad hingestellt und als Verräter stigmatisiert wurde, weil er sich nach dem Krieg offen zu seiner Verantwortung bekannte. Das Werk zeichnet sich für Hürter durch eine gut lesbare, differenzierte Darstellung des Generals aus. Ausführlich referiert er die Stationen von Paulus' Karriere, den er als überaus talentiert schildert, weist darauf hin, dass sich Paulus mit Hitler arrangierte, aber kein Fanatiker war, und berichtet über dessen Fehlentscheidungen in Stalingrad. Er teilt Diedrichs Einschätzung, dass sich Paulus nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft weniger aus Charakterschwäche von der DDR instrumentalisieren ließ, sondern wegen seiner tiefen Schuldgefühle.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.09.2008

Rezensent Peter Joachim Lapp lobt die Biografie des Feldmarschalls, weil sie ihm viele bis dahin unbekannte Informationen und Zusammenhänge eröffnete. Ein detailreiches Portrait schildere zunächst Paulus Lebensweg bis zu seiner Beförderung durch Hitler zum Marschall und die Kesselschlacht von Stalingrad 1943. Es folgt die Darstellung von Paulus' Kriegsgefangenschaft, mit der Diedrich dem Leser ein bisher wenig bearbeitetes Feld eröffne: In sowjetischer Gefangenschaft entwickelte sich Paulus zum Nazigegner, der "weiteres Unglück vom deutschen Volk fernhalten" wollte. Trotzdem blieb er Nationalkonservativer und erklärte sich zum Funktionär Stalins, während er auf Freilassung hoffte. Zurück in der DDR wurde er 1953 von der SED-Spitze eingesetzt um ehemalige Offiziere für die Wiedervereinigung zu gewinnen, sein "Verwendungswert" sank jedoch, und auch seine schriftstellerischen Aufgaben zur Darstellung der Stalingrader Schlacht zeigten keine Ergebnisse. Er starb 1957 als "unabhängiger Patriot", wie er sich selbst nannte. Lapp nennt Diedrichs Darstellung als "sehr lesenswert".

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