Was auf den Märkten der Zukunft zählt, lässt sich nicht mehr mit Händen greifen. Service und Engagement, Trends und Events, Marken und Mythen - dies alles ist in einem radikalen Sinne ungegenständlich. Die Wirklichkeit ist vor allem Kommunikation. Wer nach den entscheidenden Produktivkräften des 21. Jahrhunderts fragt, der muss sich mit Spiritualität und Design, mit Kommunikation und Wissen befassen. Bolz skizziert den neuen postökonomischen Kunden, dessen Bedürfnisse und Wünsche unbewusst, unerfüllbar und gerade deshalb mächtig sind. "Second order desires", Wünsche zweiter Ordung, kontrollieren ds Kaufverhalten der Konsumenten von morgen. Die Aufgaben des Marketings verlagern sich auf die Entwicklung solcher Meta-Wünsche. Trends, Events und Festivals befriedigen die Sehnsucht nach einer neuen Spiritualität. Das Zusammenspiel von Marken, Medien und Mythen schafft ständig neue Sinnangebote.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.08.2000
Jörg Ulrich greift in Zeiten der allgemeinen Verunsicherung zu diesem Buch, in dem er sich Antworten auf die Fragen nach dem "gesellschaftlichen Dasein" des Individuums erhofft. Der Autor biete gleich drei Etiketten an, mit der die Gesellschaft zu bestimmen wäre, nämlich die "postkapitalistische, die Multimedia-Gesellschaft und die Wissensgesellschaft". Er beschreibe die Medien als "Wirklichkeitsindustrie", die gleichzeitig Angst hervorrufe und Beruhigung produziere. Gleichzeitig definiere er Wissen nicht als konkretes Wissen, sondern als ein "Bescheidwissen über Zugänge zum Wissen". Bolz´ Hauptthese, so fasst Ulrich zusammen, ist, dass das "Design ein Instrument der Komplexitätsreduktion" ist, das Sicherheiten schaffen soll und damit an den Platz der Religion rücke. In dieser Konstellation, so der Rezensent, sei natürlich auch das "Böse" nicht weit, das der Autor im "aufgeklärten Kapitalismus" dingfest mache. Bei so viel Bösem fühlt sich Ulrich zum Alkohol gezogen, was ihn aber nach eigener Erkenntnis schon wieder in den Strudel des Konsums zieht.
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