Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Anne Enright

Das Familientreffen

Roman

Cover: Das Familientreffen

Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2008
ISBN-10 3421043701
ISBN-13 9783421043702
Gebunden, 330 Seiten, 19,95 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Als Kinder haben sie sich stets alle Geheimnisse anvertraut, und auch als Erwachsene sind Veronica und ihr Bruder Liam noch immer aufs Engste miteinander verbunden. Doch dann stürzt Liam sich mit Steinen in den Hosentaschen ins Meer, und Veronica bleibt allein zurück mit der Frage nach dem Warum. Während sie im Dubliner Elternhaus die Beerdigung vorbereitet, überwältigen sie die Erinnerungen an ihre Kindheit, an ihre Großmutter, die aus Vernunftgründen auf die Liebe ihres Lebens verzichtete, an ihre Mutter, die sich nach den vielen Geburten und Fehlgeburten nicht einmal die Namen all ihrer Kinder merken konnte. Und an jenen Tag, an dem ihrem Bruder Liam, gerade neun Jahre alt, etwas angetan wurde, vor dem sie ihn hätte beschützen müssen.

BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Mehr Informationen zum Buch bei der DVA

Leseprobe beim Perlentaucher

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.02.2009

Überwiegend positiv befindet Kristina Maidt-Zinke über diese mit dem Booker-Preis ausgezeichnete Familiengeschichte. Hierin, so lesen wir, begibt sich die Irin Veronica Hegarty auf eine Reise zurück zur Familie und in die Vergangenheit, in der es dunkle Geheimnisse aufzudecken gibt. Anlass des Ganzen ist der Selbstmord von Veronicas Bruder Liam. Die Thematik findet Maidt-Zinke zwar nicht übermäßig interessant, wohl aber die Sprach- und Erzähltechnik der Autorin, der sie in ihren Kommentaren und Reflexionen eine "gewisse Gnadenlosigkeit" bescheinigt. Beeindruckt zeigt sich die Rezensentin zudem von Enrights lakonischen Personenporträts. Auch wenn sie sich an gewissen Irland-Klischees stört - Alkohol, Gewalt, Katholizimus - so resümiert Maidt-Zinke doch, das Genre der Familiensaga habe mit Anne Enright "einen neue, vitale Stimme gefunden."

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.11.2008

Die großen Themen des Lebens findet Rezensentin Bernadette Conrad in Ann Enrights preisgekröntem Roman verhandelt, den sie außerdem als Reise in jene dunkle Dimension gelesen hat, die aus ihrer Sicht immer neben dem täglichen Leben steht. Es geht um eine Frau, die zwölf Kinder hat, besonders um zwei dieser Kinder, Veronika und Liam. Aber auch um einen Mann, der einst die Mutter liebte, die aber einen anderen heiratete. Aus Rache missbraucht er später den Enkel, der sich als Erwachsener irgendwann das Leben nehmen wird. Man spürt beim Lesen der Rezension, die auch ein Porträt der Schriftstellerin einschließt, wie intensiv Enright den verschlungenen Familienkosmos samt seiner Figuren entfaltet hat, ahnt von den Kollateralschäden zerbrochener Träume, den Gefängnissen von Erinnerungen oder einsamen Landschaften am Meer, die im Kontext dieser Familiengeschichte hochsymbolischen Charakter annehmen. In gewissem Maße sei das Buch autobiografisch, lesen wir auch. Allerdings weniger aus faktischer als aus lebensweltlicher Sicht. Die Übersetzung von Hans-Christian Oeser wird ebenfalls sehr gelobt: für die überzeugende Übertragung von Anne Enrights "leichter Sprache von hoher Assoziationskraft" und ihrer Sprachbilder.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Ganz schön verunsichernd, was die Rezensentin da erlebt hat: Orte, Zeiten, Figuren - nichts findet sie an einem festen Platz. Eben dies allerdings scheint ihr durchaus adäquat zu sein für eine kunstvolle Darstellung menschlichen Zusammenlebens und das Vordringen bis an dessen Schmerzgrenzen, wie es Anne Enright in ihrem Roman betreibt. Die im Bewusstseinsstrom der Heldin vorüberziehende, durch den Freitod des Bruders in Gang kommende genealogische Spurensuche funktioniert Rose-Maria Gropp zufolge auch aufgrund des "zornmütigen" Zugriffs der Autorin, ihrer hassgetränkten, unsentimentalen wie hellsichtigen Sprache, der die Rezensentin Respekt zollt. Nicht zuletzt, weil sie darin eine "unauslöschliche Sehnsucht nach Liebe" erkennt. Tipp für Filmproduzenten: Was die Verfilmbarkeit des Stoffes angeht, hält die Rezensentin den Roman mit seinem Gespür für Bilder für eine echte Steilvorlage.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2008

Rezensentin Julika Griem betont, dass der Familienroman der letztjährigen Man-Booker-Preisträgerin Anne Enright den Fallen der Klischee beladenen Irlandliteratur entgeht, da er sich nicht in Alkohol und Glauben ergeht, sondern, wie es die Gegenwart verlangt, von Inzest und Alkohol handelt, also dem, was man gemeinhin ein "dunkles Familiengeheimnis" nennt. Im Mittelpunkt steht die 39-jährige Ich-Erzählerin Veronica, die den Selbstmord ihres Bruders Liam zum Anlass nimmt, sich einer "schonungslosen Selbstbefragung" zu unterziehen. Der Blick zurück in die Vergangenheit, der bis 1925 in die Jugendjahre der Großmutter reicht, bringt es schließlich ans Tageslicht. Die Rezensentin lobt neben dem "hochkomischen Talent" der Autorin auch die "sezierende und ergreifende Weise", wie Erinnerung und Vergessen miteinander verflochten wurden.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.10.2008

Bernadette Conrad zeigt sich verhalten bei der Lektüre des mit dem Booker-Preis ausgezeichneten Buchs "Das Familientreffen” von Anne Enright. Conrad referiert hauptsächlich die Handlung und hebt hervor, was Enright ihrer Meinung nach mit dem Roman bezwecken wollte. In der Familiengeschichte geht es um die 39-jährige Veronica, die nach dem Selbstmord ihres Bruders auf die schwierigen Familienverhältnisse zurückblickt und versucht, mit der Wut auf ihre Eltern und ihre Geschwister ins Reine zu kommen. Conrad zufolge holt die Autorin dabei noch weiter aus und zeichnet ein gesellschaftliches Porträt der katholischen Rigidität, die das Irland vor, aber auch während ihrer Zeit prägte. Conrad kritisiere die viel verbreitete häusliche Gewalt und den Alkoholismus in ihrer Thematisierung von Verdrängung und Aufarbeitung im Buch. Um eine Menge Wut geht es, aber auch um Liebe. Conrad verrät lediglich: "pathetisch, inspirierend, sprachlich nicht immer geglückt.”

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Havanna im SpiegelAlma Guillermoprieto: Havanna im Spiegel
Aus dem Spanischen und Englischen von Matthias Wolf. 1970 verließ die junge Mexikanerin Alma Guillermoprieto ...

Buch: Klar bin ich eine Ost-Frau!Martina Rellin: Klar bin ich eine Ost-Frau!
Martina Rellin hat sich mit Frauen aus dem Osten darüber unterhalten, was sie wirklich bewegt, wie sie ihr ...

Archiv: Bücherschauen

Das Gegenglück, der Geist

09.02.2010: Großer Bahnhof für J.M. Coetzee: Zu seinem Siebzigsten preisen FAZ, FR, NZZ und SZ den neuen autobiografischen Roman "Sommer des Lebens" als "grandios", "raffiniert" und "wahrste, kühnste und unterhaltsamste Literatur". Sehr lieb ist der NZZ die Anti-Hysterie von Arno Geigers Eheroman "Alles über Sally". Die taz feiert Amir Hassan Cheheltans großartigen Roman "Teheran Revolutionsstraße". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Christopher Isherwood: Löwen und Schatten

08.02.2010: Großartig erzählt Christopher Isherwood in "Löwen und Schatten" von seiner Schul- und Studienzeit in London und Cambridge in den zwanziger Jahren, von seinen ersten Schreibversuchen und seinen ersten Freunden und Liebhabern. Hier eine Leseprobe. Mehr lesen

Miljenko Jergovic: Freelander

01.02.2010: Karlo Adum heißt der Held in Miljenko Jergovics neuem Roman "Freelander". Er ist ein pensionierter Lehrer und begibt sich eher widerwillig auf eine Irrfahrt durch Kroatien nach Bosnien und Herzegowina. Zu einer Testamentseröffnung. Lesen Sie hier einen Auszug.
Mehr lesen

Alain Mabanckou: Black Bazar

25.01.2010: Alain Mabanckou erzählt in seinem Roman "Black Bazar" sehr selbstironisch von den Träumen afrikanischer Männer, die in Paris ihr Glück suchen. Und hin und wieder auch einen Rückschlag verschmerzen müssen. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Archiv: Buchautoren