Bücherschau der Woche
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Klappentext
Was passiert, wenn man nichts getan hat und dadurch schuldig wird? Wenn man im Gefängnis sitzt und sich durch Schweigen schützt, obwohl man sich unschuldig fühlt? In einem inneren Monolog entfaltet Karl-Heinz Ott das Seelenpanorama einer Figur, die einmal aufgebrochen war, sich selbst und die ganze Welt zu verändern, um schließlich in jeder Hinsicht im Abseits zu landen. Die einzigen Menschen, auf die sich der Erzähler dieser Geschichte stützen konnte, sind auf der Flucht, während er an ihrer Stelle verhaftet wurde. Es sind seine Freundin Usa und ein ehemaliger Pfarrer, der vor Jahren vom Vorwurf des Kindesmissbrauchs freigesprochen wurde und seitdem am Rand eines verlorenen Dorfes als Eigenbrötler vor sich hin lebte. Jeden von ihnen holt der Alp seiner Vergangenheit ein.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2009
Schwer beeindruckt zeigt sich Rezensent Edo Reents von Karl-Heinz Otts drittem Roman "Ob wir wollen oder nicht". An Wittgenstein fühlt er sich erinnert, weil die Sprache - und was ihr möglich ist und was nicht - hier im Zentrum stehe, aber auch Thomas Manns "Doktor Faustus" fällt ihm - dem beträchtlichen Umfangsunterschied zum Trotz - als Referenz ein; aber Thomas Bernhard, Eckhard Henscheid, Andreas Maier scheinen auch nicht fern. Worum es geht, wird in der überhaupt referenzreichen Rezension eher vage klar. Der Protagonist, ein Mann namens Richard, sitzt im Gefängnis. Sein Leben ist bestimmt durch ein halb freundschaftliches, halb abhängiges Verhältnis zu einem Pfarrer namens Johannes. Dem wiederum wird Missbrauch seiner Schützlinge vorgeworfen. Die Unklarheit der Verhältnisse liegt offenbar nicht zuletzt darin begründet, dass der Roman als innerer Monolog seiner Hauptfigur angelegt ist.Eines aber ist sicher: Edo Reents findet das Werk "ganz und gar meisterhaft".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 31.01.2009
Recht fasziniert bespricht Jürgen Berger den dritten Roman von Karl-Heinz Ott, der ihm mit seinen Sprachstrudeln hinab in eine merkwürdige Welt zog, die oberflächlich gesehen im Schwarzwald liegt, bei näherer Betrachtung jedoch den Welten Kafkas benachbart scheint. Es geht, wie wir Bergers Bericht aus dem Ott'schen Reich der Fiktion entnehmen können, um einen Tankstellenpächter, der Opfer eines Justizirrtums wird. Das Buch führe den Leser direkt in einen melancholischen Innenraum der Schuld, schreibt Berger, ins Land der Denker und Grübler. Es handelt sich, wenn wir seine mitunter etwas schwirrenden Schilderungen richtig deuten, sozusagen um das "hypotaktische Parlando", das sich im Kopf des Protagonisten ausbreitet, als der schon unschuldig verurteilt im Gefängnis sitzt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2008
Wie Kafkas Josef K. ergeht es dem Ich-Erzähler in Karl-Heinz Otts Parabel auf einen Mann, der sich aus heiterem Himmel im Gefängnis wiederfindet, so Ulrich Rüdenauer, der sich durch ausschweifende Satzkonstruktionen und "grammatikalische Ungetüme" hindurch gelesen hat und trotzdem Gefallen an diesem verschachtelten Roman findet. Dessen Sprache "lädt zwar nicht zum Tanzen ein", bringt aber dennoch eine eigene Musikalität hervor, die in ihrer Monologhaftigkeit an Thomas Bernhardt erinnert. Der vor sich hin brütende Ich-Erzähler wälzt also Gedanken auf Gedanken, aus welchen sich der Leser, wenn er durchhält, die nicht gesicherten Gründe für den Gefängnisaufenthalt erschließen kann. Dabei geht es nicht vordergründig um das Verbrechen, dessen der Mann beschuldigt wird, sondern um die beteiligten Personen, die seit langer Zeit miteinander bekannt ein ehemals hoffnungsvolles, inzwischen desillusioniertes Provinzleben führen: "Das Verbrechen, dessen sich der Held schuldig macht, ist vielleicht seine Passivität", so Rüdenauer, der den Roman empfiehlt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2008
"Das ist große Literatur", schreibt Rezensent Ulrich Baron zu diesem in einer Gefängniszelle gehaltenen Monolog eines straffällig gewordenen Schwarzwälder Tankstellenpächters über den Sinn eines gescheiterten Lebens. "Große Literatur, die sich klein macht", um es mit den Worten des Rezensenten genau zu sagen. Denn hier rede kein "toter Christus" vom Weltengebäude herab, sondern sinne ein Häftling über seinen Weg in die Gefängniszelle, was ihn noch einmal an einem ganzen, trostlosen Leben in einer verödeten, "strukturschwachen Region" vorbei führe. Schon der fatalistische Titel, der Baron in seiner akkumulierenden "Sinnverneinung"entfernt an Samuel Beckett erinnert, begeistert ihn sehr. Aber auch die Meisterschaft, mit der Karl-Heinz Ott hier die "Retrospektive" eines Lebens als Bericht über das widerstandslose Einrichten in einer Misere liefert, beeindruckt den Rezensenten sehr.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2008
Einmal mehr zeigt sich Karl-Heinz Ott in seinem neuen Roman als Meister "existentialistisch verschlungener Sätze", stellt Michael Braun fest, den dieser Monolog eines zu Unrecht verhafteten Tankstellenpächters fast ohne Einschränkung begeistert hat. Konsequent verweigert der Autor die Auflösung des Rätsels der Geschichte, so bleibe bis zum Schluss unklar, wer das Opfer der "schwersten Körperverletzung" war, die dem Ich-Erzähler vorgeworfen wird, und welche Motive dahinter stehen. Dafür nimmt uns Ott im Verlauf des Buches mit auf die Reise einer betrunkenen Selbstbefragung, der sich der Ich-Erzähler nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft unterzieht, und demonstriert dabei das "Scheitern als Lebensform", so der faszinierte Rezensent. Wenn er auch findet, dass der zweite Teil des Romans, in dem der gescheiterte Aussteiger vor den Untersuchungsrichter tritt ,sprachlich nicht mehr ganz so überzeugend ist wie der Anfang des Buches, lässt er sich am Ende wieder ganz von der sprachlichen Wucht Otts mitreißen und genießt die "metaphysischen Schwindelgefühle", die die Lektüre bei ihm hinterlässt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.09.2008
Begeistert bespricht Jörg Magenau den dritten Roman von Karl-Heinz Ott, dessen einziger "Mangel" seiner Ansicht nach ist, dass er irgendwann endet. Es ist ein großer, bewegter Monolog, der stark an eine Bernhard'sche Tirade erinnert, ohne dabei epigonal zu sein, und dessen Zorn sich gleichermaßen nach außen wie auf sich selbst richtet. Der Ich-Erzähler, dessen Gedankenstrom der Leser folgt, ist verhaftet worden, weil im Keller der von ihm besuchten Gaststätte eine Frau schwer misshandelt wurde. Das sei die kriminalistische Handlung, die zwar durchaus fesselndes Potential habe, die sich aber lediglich als "Knochengerüst" für eine Spannung herausstelle, die direkt der Sprache selbst entspringe, so Magenau beeindruckt. Im Verlauf des Buches schält sich eine verkrachte 68er-Biografie heraus, die sich weniger als typisch für diese Generation, denn als ganz privat herausstellt, wie der Rezensent erklärt. Er findet übrigens, dass man diesen Monolog, hinter dessen Textoberfläche nach und nach die ganzen Ambivalenzen des Erzählers hervortreten, über den "Klang der Wörter" rezipieren müsste, also eher hören als lesen sollte.
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