Deutschland, 1933: Ernst Lossa stammt aus einer Familie von "Jenischen", Zigeuner, wie man damals sagte. Er gilt als schwieriges Kind, wird von Heim zu Heim geschoben, bis er schließlich in die psychiatrische Anstalt in Kaufbeuren eingewiesen wird. Hier nimmt sein Leben die letzte, schreckliche Wendung: In der Nacht zum 9. August 1944 bekommt er die Todesspritze verabreicht. Ernst Lossa wird - obgleich geistig völlig gesund - mit dem Stempel "asozialer Psychopath" als unwertes Leben aus dem Weg geräumt. Der Journalist Robert Domes erzählt aus der Perspektive des Jungen mit beeindruckender Intensität. Er macht die Denkstrukturen des nationalsozialistischen Regimes sichtbar und berichtet von der damit einhergehenden Ideologie der Euthanasie.
Dieses Buch über einen von den Nazis ermordeten Dreizehnjährigen hat Rezensentin Marion Gerhard besonders durch das Vermögen des Autors beeindruckt, eine große Nähe zwischen Leser und Protagonist herzustellen. In der Geschichte des Kindes, das auf Grund seiner Zugehörigkeit zur Minderheit der Jenischen ins Visier der Nazis gerät, die ebenso wie Sinti und Roma verfolgt worden sind, deute der Autor die aus Archiven und Zeitzeugenberichten zu Tage beförderten Fakten und Details mit den Mitteln des Romans. Im übrigen lobt die Rezensentin, dass der Junge Ernst Lossa trotz seiner bedrückenden Geschichte auch äußerste vitale Seiten hat.
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