Dem preußischen Beamten und Reformer, dem Verfasser unzähliger Denkschriften und Initiator epochemachender Sozialgesetze, dem Logistiker des antinapoleonischen Kriegs, dem Wissenschaftsorganisator wurde seit vielen Jahrzehnten keine umfassende Biografie auf wissenschaftlicher Grundlage mehr gewidmet. Der Mainzer Historiker Heinz Duchhardt verleiht, auch im Rückgriff auf ungedrucktes Quellenmaterial, neben dem Beamten und Staatsmann, neben dem politischen Partner von Königen und Kaisern, erstmals aber auch dem privaten Stein Konturen: dem Familienvater und Gutsherrn, dem Reisenden und Mäzen, dem persönlichen Netzwerk. Der Rezeptionsgeschichte, in deren Verlauf Stein geradezu zum Deutschen schlechthin stilisiert wurde, wird entsprechend Aufmerksamkeit geschenkt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2008
Höchst interessant, was Gerrit Walther dieser Biografie des Freiherrn vom Stein von Heinz Durchhardt entnimmt. Walther erkennt das Buch als Versuch, über Gerhard Ritters erzählerisch "souveräne", lange unangefochtene Studie hinauszugehen, die Stein als großen, Preußen verpflichteten Politiker zeigte. Zwar traut Walther dem Autor dergleichen durchaus zu und sieht hier ein "grundsolides, informatives" Buch vor sich, das den ganzen Stein, auch dessen späte Jahre der Enttäuschung, wie Walther schreibt, vorstellt. Doch empfindet der Rezensent Durchhardts Kritik an der Stein-Forschung und an Stein selbst bald als Problem. Der alles relativierende Gestus des Autors erweckt in ihm die Frage, was denn an Stein eigentlich so bemerkenswert gewesen sei. Ein derart dekonstruktivierter Stein erscheint ihm zwar zeitgemäß, das Buch von "hoher kritischer Wahrhaftigkeit", doch auch als Zeichen für eine Geschichtskultur, die dabei ist, "sich selber abzuschaffen".
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