Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Koreanischen von Matthias Augustin und Kyunghee Park. Yi Yun-Gis Erzählungen lassen häufig zwei Welten aufeinanderprallen. Da will beispielsweise jemand, der gerade einen schweren Schicksalsschlag erlitten hat, für eine Zeitung eine Reportage über Leuchtturmwärter schreiben. Aber in Wahrheit geht es ihm mehr noch um die Flucht aus der gewohnten Umgebung. Seine Reise zu verschiedenen Inseln der koreanischen Südküste führt in eine geheimnisvolle Welt, in der andere Gesetze voller Bedrohlichkeit und düsterer Erotik zu gelten scheinen. Oder in der Titelerzählung: Ein aus Korea stammender Intellektueller, der zwischen seiner Heimat und den USA hin und her pendelt, besucht immer wieder seinen alten Lehrer Il-Mo und bekommt schließlich ganz unverhofft eine Lehre erteilt, durch die er sich selbst in ganz neuem Licht sehen muß. Yi Yun-Gi erzählt von Menschen, die sich moralisch vor Fragen gestellt sehen, die sie mit ihren überlieferten Wertbegriffen nicht leicht lösen können. Geschult an Erzähltraditionen des Westens wie gleichermaßen beeinflußt vom Buddhismus, entwirft er in lakonischer Verknappung Geschichten, die auf Selbsterkenntnis zielen, bei ihren Figuren und den Lesern.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.06.2008
Steffen Gnam kann hier etwas lernen - über Täuschungsmanöver der Moderne etwa oder Erkenntnismöglichkeiten durch die Vereinigung von westlicher und östlicher Mythologie. Dass es bei Yi Yun-Gi nicht um große historische oder politische Umwälzungen geht, sondern um innere Vorgänge ist ihm beim Lesen rasch klar geworden und so beobachtet er das "randständige" Personal und die abseitigen Orte in diesen Texten mit gesteigertem Interesse, entdeckt ein reiches Arsenal an Symbolen und Metaphern, buddhistische Weisheiten und immer wieder (scheinbare) Gegensätze zwischen denen die Figuren hin- und hergerissen sind.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.06.2008
Die erstmals auf Deutsch erscheinenden Erzählungen des Koreaners Yi Yun-Gi haben es Florian Welle angetan. Es geht um den Zerfall der Traditionen in Korea, den Wandel der Länder und Kulturen, erklärt Welle, der in allen Texten stets auch den Tod präsent findet und den Schmerz oder besser die leise Trauer. Denn larmoyant oder erdrückend erscheint ihm das von Yun-Gin seismografisch aufgezeichnete Vergängliche nicht. Möglich, dass es mit dem buddhistischen Denken zusammenhängt, dem Welle bei der Lektüre immer wieder begegnet, glücklich darüber, wie der Autor es in seiner ursprünglichen Form erhält und dem westlichen Leser auf diese Weise Geheimnisse statt Aufklärung bietet. Das damit einhergehende Beunruhigende nimmt Welle gerne in Kauf.
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