Bücherschau der Woche
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Roland Barthes
Die Vorbereitung des Romans
Klappentext
Aus dem Französischen von Horst Brühmann. Herausgegeben von Eric Marty. Im April 1978 beschließt Roland Barthes, einen Roman zu schreiben, kommt aber über Stichworte nicht hinaus. Die Erfahrung dieses Scheiterns macht er in den folgenden Jahren zum Thema der theoretischen Arbeit: Er widmet dem Übergang "vom Schreiben-Wollen zum Schreiben-Können" zwei Vorlesungen am College de France. Darin geht er der Frage nach, wie aus verstreuten Ideen ein Textkontinuum entsteht, das einen "Realitätseffekt" erzeugt. Er behandelt aber auch, am Beispiel von Proust, Flaubert und Tolstoi, den Prozess des Schreibens sowie die "diätetischen Regeln", denen sich die Autoren unterwerfen.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.09.2008
Den Autor hält Lothar Müller für klug genug, sein in dieser 1978 bis 1980 gehaltenen Vorlesungsreihe dokumentiertes Projekt der Selbstverwandlung vom Theoretiker zum Romanautor nicht als Nachahmung des geliebten Autors Marcel Proust und dessen "Recherche" zu konzipieren. Was Roland Barthes interessiert, stellt Müller fest, sind nicht Werke, sondern der Weg des Autors zum Schreiben. Ob Proust, Tolstoi, Kafka, immer erkennt Müller Barthes' Versuch, die eigene intellektuelle Metamorphose nachzuvollziehen. Dass der Autor aus der Binnenperspektive startet und seine strukturalistische Ausgangsposition nicht vergisst, sondern mit de Saussure und Jakobson im Rücken die "Achsendrehung" in Richtung eines autobiografischen Schreibens im "Dreieck aus Haiku, Tagebuchnotiz und Fotografie" vornimmt, erscheint dem Rezensenten so bemerkenswert wie folgerichtig.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.08.2008
Für Manuel Karasek ist Roland Barthes mit diesem Buch endgültig im Olymp der aphoristischen Meisterdenker angekommen. Barthes' erstmals auf Deutsch vorliegende letzte Arbeit imponiert dem Rezensenten wegen ihres in Exkursen und eher unauffälligen Gedankengängen unvermittelt sich bahnbrechenden Geistreichtums. Wie der Autor seine Lektüre von Prousts "Recherche" als Theorie ihrer eigenen Entstehung und autobiografische Versuchsanordnung mit seinem eigenen Versuch, einen Roman zu schreiben und außerdem mit einem kulturhistorischen Vergleich zwischen Roman und Haiku verzahnt, findet Karasek subtil und aufregend. Hat der Rezensent beim Lesen auch oft den Eindruck des Unfertigen, Notizhaften des Textes, so empfindet er schließlich doch das Glück, einer "katalogisierenden Überprüfung literarischer und philosophischer Ideen" beizuwohnen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2008
Hingerissen ist Christian Schärf von der nun veröffentlichten letzten Vorlesungsreihe des allzu früh tödlich verunglückten Roland Barthes. Dessen - weitgehend ausgefallene - Rezeptionsgeschichte in Deutschland resümiert der Rezensent erst einmal, bevor er in diesen späten, radikal subjektiv-poststrukturalistischen Ausführungen eine methodische Methodenverweigerung erkennt, mit der nicht zuletzt eine nach einer Epoche der Theorieimpulse ins Verschnarchte zurücksinkende Literaturwissenschaft wieder aufzuwecken wäre. Es geht um den Roman, aber nicht einfach so. Vielmehr um die These, dass im Roman das Begehren des Schreibens zu sich kommt. Und nicht in jedem Roman, sondern vor allem oder jedenfalls in Vollendung in Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Die Vorlesungen sind vor allem der Versuch, sich diesem Roman der Romane zu nähern, und zwar so, dass die Wünsche, die einen zum Schreiben drängen und überhaupt das für einen selbst nicht einsehbare Drängen, das einen wünschen macht, mit in den Blick geraten. Aufregend ist das, schwärmt Schärf, und als Vorlesung selbst nicht weniger als "ein literarisches Ereignis".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.05.2008
Die Mitschrift von Roland Barthes' von 1978 bis zu seinem Tod 1980 gehaltenen Vorlesungen am College de France, in denen er über die Vorarbeiten zum Schreiben eines Romans und Überlegungen zu Autoren wie Kafka, Flaubert und Proust spricht, liegen nun auch in einer deutschen Fassung vor, teilt Rezensentin Ina Hartwig mit. Sie greift sich das Thema heraus, das sie an den Vorlesungen am meisten interessiert, nämlich Barthes' Beschäftigung mit Marcel Prousts "Suche nach der verlorenen Zeit". Barthes war ein erklärter Gegner von Werkdeutungen aus dem Leben des Autors, der "Erzählbarkeit des (eigenen) Lebens" stand er sehr skeptisch gegenüber. Bei den Vorlesungen jedoch konstatiert die Rezensentin eine überraschende "Rückkehr zur Biografie". Laut Barthes müssen biografische Erklärungsversuche zwar ins Reich des "Trugs" verwiesen werden, dennoch geben sie der Lektüre seiner Ansicht nach einen "Mehrwert", referiert die Rezensentin. Deshalb widmet sich Barthes auch intensiv den im Vorlesungsband abgedruckten 60 Fotos von Prousts Verwandten und Bekannten - hier treffe unter Berufung auf Lacan das "Imaginäre" mit dem "Realen" zusammen, wie Hartwig fasziniert zitiert. Sie ist deshalb umso bekümmerter, dass Barthes nicht mehr dazu kam, seine Vorlesung "Proust und die Photographie" zu halten, denn die Notizen dazu stellen für sie die Glanzpunkte des vorliegenden Buches dar.
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