Grace Eder ist eine Frau, die alles erreicht zu haben scheint. Sie ist eine international renommierte Neurowissenschaftlerin, attraktiv und umschwärmt. Doch sie, die Expertin für die Biochemie der Gefühle, hat Schwierigkeiten, sich hinzugeben und tief zu empfinden. Am Tag vor dem Heiligen Abend stellt sie, alleine im Labor auf das Ergebnis eines Versuchs wartend, den Sinn ihrer bisherigen Existenz infrage. Da tritt eine Frau in ihr Leben und verspricht, ihr das größte irdische Glück zu verschaffen. Eine rasante Suche nach Liebe und Erfüllung nimmt ihren Lauf. Lea Singer erzählt die Geschichte eines weiblichen Doktor Faust.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2008
Eine Faustin der Gegenwart, die Goethes Stoff neu durchlebt? Ganz wohl ist Sabine Doering nicht dabei. Was die Autorin Lea Singer hier vorlegt, entpuppt sich für die Rezensentin jedoch bald als kurzweiliger Wissenschaftsroman und geschicktes Spiel mit dem Faust-Stoff. Das Gelingen führt Doering auf die Lebendigkeit der Figuren und ihrer Konflikte sowie auf die erzählerische Geduld der Autorin zurück. Wenn sich die Heldin, eine Neurowissenschaftlerin, mit Wissenschaftsethik, Familienpolitik und luziferischen Verführungen herumschlägt und der Text die Gretchenfrage neu stellt, und wenn die Autorin für zeitgemäßes, verantwortungsbewusstes Handeln keine Adhoc-Strategie anbietet, fühlt sich Doering keineswegs in eine staubige Studierstube versetzt.
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