Johann Christian Müller hat in seinem ganzen Leben nichts wichtiges erlebt oder getan - mit einer Ausnahme: Er hat dieses ereignis- und tatenarme Leben präzise bis ins kleinste Detail hinein aufgeschrieben und damit ein einzigartiges Dokument der Sozial- und Kulturgeschichte des frühen und mittleren 18. Jahrhunderts geschaffen. Im ersten Band seiner Memoiren erzählt Müller von seiner Kindheit und den Schuljahren in Stralsund, vom Studium in Jena, Leipzig und Greifswald sowie von den Reisen, die ihn u.a. nach Weimar, Erfurt, Dresden und Hamburg führten. Es entsteht ein farbenfrohes und höchst unterhaltsames Bild vom Leben einer Handwerkerfamilie und eines Studenten in der ersten Jahrhunderthälfte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.04.2008
Ein "merkwürdiges, faszinierendes" Buch hat Lothar Müller mit diesen Aufzeichnungen des Pfarrers Johann Christian Müller aus den Jahren 1720 bis 1746 in den Händen gehalten, also aus jener Epoche, in der sich Leben und Schreiben "mehr und mehr zu durchdringen begannen". Und es ist die gleiche Epoche, in der sich das grammatische Ich aufmachte, eine "literarische Großmacht" zu werden, wie Müller schreibt. Doch was den Rezensenten so an diesem Buch fasziniert, ist, dass mit Müller ein ganz und gar bescheidener Mensch schreibt, der sich eben nicht selbst in den Mittelpunkt seiner Aufzeichnungen rückt. Er schreibt über andere! Selten hat Müller so facettenreich etwa das studentische Leben oder das Duellwesen im 18. Jahrhundert vor Augen geführt bekommen. Und auch dass der Pfarrer nicht ausführlich Bibelstellen kommentiert, betrachtet der Rezensent als großes Glück, zu dem auch die mustergültige Edition des Lehmstedt Verlags mit ihren ausführlichen Erklärungen und Kommentaren beiträgt.
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