Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Chinesischen von Susanne Hornfeck, Wang Jue und Wolf Baus. Shanghai ist von den Japanern eingenommen. In einem Cafe wartet nervös eine junge Frau auf den Mann, mit dem sie ein Verhältnis hat: Lao Yi, der mächtige Geheimdienstchef der japanischen Marionettenregierung, soll in dieser Nacht sterben. Die junge Frau soll ihn verraten. Als er vor ihr steht, erkennt sie, dass sie ihn liebt. Sie warnt ihn, und er flieht rechtzeitig. Sie wird verhaftet und hingerichtet. Die von Ang Lee verfilmte Erzählung "Gefahr und Begierde" fängt das Leben in einer besetzten Stadt ein wie auch Eileen Changs andere Geschichten aus dem Shanghai der vierziger Jahre. Eileen Chang gehört zu den großen modernen Erzählern wie F. Scott Fitzgerald und Marguerite Duras. "Gefahr und Begierde" erscheint nun erstmals in deutscher Übersetzung.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2008
Ludger Lütkehaus sagt den Erzählungen der Chinesin Eileen Chang wahren Tiefgang nach. Ihre Sprache habe eine hohe Suggestivkraft, und sie schaffe es, vertraute Metaphern auf originelle Art zu entfremden. Die Geschichten drehen sich vor allem um "Geschlechter-Wirrsale", um Patriarchismus, um Liebe und Kalkül. Für den Rezensenten war erfreulich, dass Chang kein romantisiertes Bild von China zeichnet. Im Gegenteil: in ihrer Darstellung der politischen und gesellschaftlichen Tumulte im China der dreißiger und vierziger Jahren trete Distanz und Sarkasmus zutage. Am eindrucksvollsten waren für Lütkehaus die Momentaufnahmen zwischenmenschlicher Beziehungen, obwohl die Autorin auch sehr spannend erzählen könne. Der verspätete Ruhm, der Chang jetzt international zuteil wird, sei "hochverdient". Die Autorin verstarb 1995 in San Francisco, wo sie nach der Flucht vor dem gewalttätigen Vater 40 Jahre gelebt hatte, berichtet Lütkehaus.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.07.2008
Mit einiger Faszination hat Rezensent Tilman Spengler die fünf Erzählungen dieses Bandes gelesen, die für ihn noch einmal die Dekadenz einer Epoche in China beleuchtet haben, "aus deren Asche sich die kommunistischen Hoffnungen erhoben". Jeweils eine Erzählung der großartigen Eileen Chang erhelle ein entscheidendes Kapitel der jüngeren chinesischen Geschichte, so der Rezensent - angefangen mit der Besetzung Chinas durch die Japaner. Hingerissen ist der Rezensent auch vom Stil dieser Autorin, der für ihn auf kongeniale Weise die Vorbilder klassischer chinesischer Sprachgeschichte mit denen der westlichen Kurzgeschichte verschmelze und der buddhistischen Existenzialismus mit der Detailfreunde von George Grosz verbinde. Auch die Übersetzung dieser bislang als unübersetzbar geltenden Autorin wird sehr gefeiert.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.06.2008
Kniffeliger Geschlechterkampf, in dem Blut, Schweiß und Tränen fließen, das ist der Stoff, aus dem nach Ansicht der begeisterten Rezensentin Susanne Messmer Eileen Changs Literatur gemacht ist, die mit diesem Erzählungsband nun endlich auch auf Deutsch zu entdecken sei. Chang werde im "angloamerikanische Raum" schon länger als "dichtende Garbo" kultisch verehrt. Zu Recht, wie man dem leidenschaftlichen Plädoyer der Rezensentin entnehmen kann, die diese Autorin für eine der interessantesten Erzählerinnen der klassischen chinesischen Moderne hält. Die Texte des Bandes bestächen mit Milieugenauigkeit und psychologischer Schärfe, mit der hier die Verwicklungen der Gefühle immer auch im Kontext von Geschlechter- und Klassenverhältnissen geschildert würden. Schonungslos bitterböse Prosa also, wie die Rezensentin genüsslich notiert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2008
Steffen Gnam verfällt der Melancholie dieser Erzählungen, der suggestiven "Ästhetik der Trostlosigkeit" der Shanghaier Autorin Eileen Chang. Die in der Szenerie "düsterer Stadtlandschaften" angesiedelten Erzählungen verortet er im Spannungsfeld zwischen "Fatalismus und Aufbegehren", zwischen "Gefühlsblockaden" und "politischer Vereinnahmung". Dass die entworfenen Psychogramme verstören, als "Weltstillstandsstudien" jedoch zugleich stimmungsvoll erscheinen, macht für Gnam den Reiz der Texte aus.
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