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zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

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Siri Hustvedt

Die Leiden eines Amerikaners

Roman

Cover: Die Leiden eines Amerikaners

Rowohlt Verlag, Reinbek 2008
ISBN-10 3498029851
ISBN-13 9783498029852
Gebunden, 416 Seiten, 19,90 EUR

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Klappentext

Aus dem Englischen von Uli Aumüller und Gertraude Krueger. Geheimnisse haben hier die Toten wie die Lebenden. Etwa der Erzähler Erik Davidsen, ein geschiedener Psychiater, der einsam in einer Stadtvilla in Brooklyn lebt und seine Neurosen pflegt. Oder seine Schwester Inga, der eine seltsame Frau durch die Straßen Manhattans folgt. Und seine Nichte Sonia, die am 11. September Dinge gesehen hat, von denen besser niemand erfährt. Schließlich zieht Miranda, eine schöne Westinderin, in das Gartenapartment von Eriks Haus. Aber warum bleibt sie so stolz und unnahbar, während ihre quirlige Tochter ihn mit dem unwiderstehlichen Charme einer Fünfjährigen umwirbt? Und was hat es mit den schmutzig bekritzelten Fotos von Miranda und dem Kind auf sich, die Erik vor der Haustür findet und vor Scham in einer Schublade versteckt? Je mehr Erik sich auf die Geheimnisse anderer einlässt, desto stärker sieht er sich mit seinen eigenen Defiziten konfrontiert. "Die Leiden eines Amerikaners" ist ein klassischer Familienroman, ein Buch voller Rätsel, eine Reise in die dunklen Regionen der Seele eines amerikanischen Jedermann.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.07.2008

Tilman Urbachs Eindruck vom jüngsten Roman Siri Hustvedts ist zwiegespalten. Im Mittelpunkt steht der einzelgängerische Analytiker Erik, der beim Ordnen des Nachlasses seines Vaters auf den Brief einer Unbekannten stößt und sich nun zusammen mit seiner Schwester Inga auf eine "schmerzhafte Spurensuche" nach dem Vater begibt. Dazu kommt eine geheimnisvolle, zögerliche Liebesgeschichte, die Erik mit seiner Untermieterin Miranda verbindet, und schließlich dringen die Ereignisse der amerikanischen Gegenwart, der 11. September und die amerikanische Politik in das Romangeschehen. Das geheimnisvolle Moment, das bei der amerikanischen Autorin immer wieder ins Unwirkliche, ja Surreale kippt, ist es, das den Rezensenten nicht nur an diesem Roman stört. Vorsichtig führt er einen Teil der Popularität Hustvedts darauf zurück, dass sie mit dem bekannten Schriftsteller Paul Auster verheiratet ist, der ebenfalls eine Affinität zur Verbindung realistischen Erzählens mit surrealistischen Motiven aufweist. Viel besser aber gefällt dem Rezensenten, wenn die Autorin den seelischen Brüchen und den "kleinen zwischenmenschlichen Begegnungen" ihrer Protagonisten nachspürt, die nach Urbach zu den eigentlichen Glanzstücken dieses Romans gehören.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.04.2008

Rezensentin Bernadette Conrad mochte den neuen Roman von Siri Hustvedt, den sie als "groß angelegte Etüde über die Versehrungen und Verzerrungen des Lebens" gelesen hat, auch wenn sie an ihm wie an keinem zuvor Methoden und Grenzen von Hustvedts Prosa ausmachen konnte. Zum Kapital des Buches zählt die Rezensentin den spürbaren biografischen Einschlag, die filigrane Balance zwischen Normalität, Traum und Trauma, mit der die Autorin die Wunden ihres Romanpersonals abtastet. Bei den titelgebenden leidenden Amerikaner handelt es sich den Informationen der Rezensentin zufolge um einen New Yorker Psychoanalytiker, den Hustvedt ihrem verstorbenen Vater nachgebildet hat. Aus dessen Perspektive sei das Buch erzählt, in dem die Rezensentin auch Patienten und ihre Verstörungen und Monströsitäten eine Rolle spielen sieht und das für sie manchmal fast ein wenig atemlos dem Thema der "verstörenden Grenzgänge" gerecht zu werden versucht, weshalb ihr die Handlungsentwicklung mitunter eher wie eine Art versuchter "Choreografie des Zufalls" erscheint. Trotzdem hat das Buch sie immer wieder berühren können.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2008

Anja Hirsch nimmt sich Zeit, um uns mit diesem "komplexen" Roman bekannt zu machen. Wie Siri Hustvedt Privates (die Kriegserlebnisse des Vaters) vermittels des psychologischen Blicks des Ich-Erzählers verwandelt in allgemein Belangvolles, hat sie derart beeindruckt, dass ihr schwierige, weil auf die Nerven gehende Aspekte des Romans als kalkuliert erscheinen. Richtiggehend hineingezogen in den Text wurde Hirsch durch die vom Rätselhaften (der "Hauptspur des Romans") abzweigenden "Nebengeschichten". Die darin auftauchenden "Dämonen der Vergangenheit" hält sie für "Lebensabwerfungen" der Autorin, und staunt nicht schlecht, wie penibel und zugleich "federleicht" Hustvedt diese zu erzählen vermag.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2008

In Siri Hustvedts neuem Roman "Die Leiden eines Amerikaners" lernt Wiebke Porombka die amerikanische Autorin von einer neuen Seite kennen: Als Romantikerin. Auf dem Hintergrund eines profunden Studiums der Romantiker und einer Fülle von Symbolen und Verweiszusammenhängen thematisiere Hustvedt das Ineinander-verflochten-Sein aller Dinge. Erzählen lässt die Autorin ihren Roman von der Figur des midlife-crisis-geschüttelten Psychoanalytikers Erik, der von Tagebuchaufzeichnungen seines verstorbenen Vaters angeregt wird, die Vergangenheit zu erforschen. Die in den Roman montierten Tagebuchaufzeichnungen stammen indes vom Vater der Autorin selbst, informiert Wiebke Porombka, und nehmen von daher auf poetologischer Ebene Teil am großen Thema des Romans, dem Verschwimmen der Grenzen zwischen Kunst und Leben. Dieser Kniff der Autorin befriedigt die Rezensentin allerdings nicht recht, denn zur eigentlichen Romanhandlung scheint ihr das Tagebuch nur wenig beizutragen, so dass ihr seine Einfügung in den Roman etwas "unmotiviert" vorkommt. Und hatten die Romantiker nicht neben der Verflechtung aller Dinge auch den Rausch beschworen? Dieses Element vermisst die Rezensentin im "behäbigen" Aufbau der "Leiden des Amerikaners" ganz entschieden.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2008

Burkhard Müller macht aus seiner Ablehnung dieser aus der Sicht des Psychoanalytikers Erik erzählten, geheimnisumwitterten Familiengeschichte von Siri Hustvedt kein Geheimnis und lässt es sich nicht nehmen, über Konstruktion und Figurenzeichnung eingehend zu lästern. Besonders abstoßend findet er offenbar die Konzentration der amerikanischen Autorin auf quälende Erfahrungen von Amerikanern, beispielsweise aus dem Irak-Krieg oder dem 11. September, bei denen Hustvedt keinen Gedanken an das "Leiden" anderer Beteiligter verschwendet. Unglaublich arrogant findet Müller das und ebenfalls unangenehm aufgefallen ist ihm das hölzerne Gerede der Figuren, die mit Vorliebe große Denker zitieren, dabei aber dennoch keine gedankliche Tiefenschärfe entwickeln, wie er moniert. Als leb- und farblos kritisiert er Plot und Protagonisten, die "Steifheit" der Erzählung lastet er aber auch den Übersetzern Uli Aumüller und Gertraude Krueger an. Das Geschehen bleibt für den Rezensenten reizlos und so lässt er keinen Zweifel an seiner Ansicht, dass das Buch so schwach ist, wie der entkoffeinierte Espresso, die eine der Hauptfiguren, laut Müller zudem alter ego der Autorin, unentwegt zu sich nimmt.

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