Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Schwedischen von Verena Reichel. Als Lars Gustafsson noch in Texas lebte, las er in der Zeitung von einer Bibliotheksangestellten, die eines Sonntags beim Autowaschen entführt, vergewaltigt und getötet worden war. Es drängte ihn, dieser Frau eine Stimme zu geben, nicht in einem Kriminalroman, sondern in einer Folge von Gedichten. Entstanden ist daraus eine lange Verserzählung, in der das amerikanische Mädchen Sonntag für Sonntag aus ihrem Leben erzählt und Gustafsson ihr seine Gedanken leiht, alltägliche und philosophische, poetische und kritische.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2008
Beeindruckt präsentiert Rezensent Andreas Breitenstein diese "elegische" Verserzählung, in der er Grundlegendes eisig klar beantwortet findet. Zum Beispiel die Frage, wie es sein werde, wenn es vorbei ist und woran wir uns dann noch erinnern könnten. Bei der Geschichte sei es Gustafsson weder um Drama noch um Gemütserforschung oder Extremfall-Psychoanalyse gegangen. Breitenstein wohnt hier eher einem "intimen Zwiegespräch über die Grenzen des Todes" bei. Die Tatsache, dass Gustafsson der Toten seine eigene Reflexionen und Phantasien, Erleuchtungen und Verdunkelungen anträgt, hat offenbar auch einige Kritik provoziert, die der Rezensent jedoch nicht teilt. Denn die Art, wie dieser Autor hier die Stimme seiner Protagonistin sich an drei Sonntagen aus dem Off erheben lasse und die poetisch verschlungene Dichte, mit der hier ein Leben gleichzeitig rekonstruiert und ausgelöscht werde, sind für Breitenstein von derart großartiger Unheimlichkeit, dass er sie dem Gegenstand für völlig angemessen hält. Auch Verena Reichels Übersetzung bekommt Bestnoten.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.05.2008
Heinrich Detering weiß zwar um die "moralischen Bedenken", die man dieser Verserzählung des schwedischen Autors Lars Gustafsson seit ihrem Erscheinen im schwedischen Original 2006 entgegengebracht hat. Denn die namenlose Ich-Erzählerin seines Buches, eine junge Amerikanerin, die eines Sonntags beim Autowaschen vergewaltigt und ermordet wird, ist eine authentische Person, von der der Autor aus einer Zeitungsnotiz erfahren hat, wie der Rezensent erklärt. In zunächst chronologischen Berichten der jungen Frau, in die zunehmend Rückblenden, Fantasien und Träume eindringen, lässt der Autor immer wieder Alltagserfahrung in eine seltsam hellsichtige "Mystik" umklappen, so der Rezensent beeindruckt. Für Detering bricht Gustafsson mit seiner Erzählung aus der Perspektive einer Ermordeten deshalb kein "Tabu", weil er die Schwierigkeiten der Darstellung reflektiere. Dabei sei der Text gleichermaßen "Totenklage" wie "Liebesdienst im Konjunktiv", ohne sich anzumaßen, damit die Wirklichkeit zu treffen, so Detering, den das Buch gerade in dieser "nüchternen Brechung" zutiefst berührt hat.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.03.2008
Verhalten äußert sich Andreas Dorschel über Lars Gustafssons Verserzählung "Die Sonntage des amerikanischen Mädchens". Er berichtet, dass das Buch einen realen Hintergrund hat, die Entführung, Vergewaltigung und Ermordung einer jungen Amerikanerin. Die Absicht des Autors, dieser toten Frau eine Stimme zu geben, scheint ihm heikel, weil die gegebene Stimme nie die ihre sein könne und weil eigentlich der Schriftsteller sich etwas von ihr nehme: einen literarischen Stoff. Dabei bescheinigt er dem Autor nicht nur sprachliche Sensibilität, sondern auch Abstand zu allen Elementen einer Kolportage. Gustafssons Skepsis, das Individuelle dieses Falls angemessen darstellen zu können, ist für ihn durchaus nachvollziehbar. Nicht befriedigend findet er allerdings die vom Autor gewählte Lösung, dieses Problem zu umgehen: die allgemeine Typisierung des Opfers. "Die Allgemeinheiten werden ein Stück weit Gemeinheiten des Schriftstellers gegenüber dem Opfer", so Dorschel, "weil er das Nichtindividuelle gleichwohl in der Ich-Form erzählen lässt." Wirklich nicht glücklich ist er dann über die Entscheidung des Autors, den Leser über die Identität dieser Stimme letztlich doch wieder im Unklaren zu lassen.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








