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zuletzt aktualisiert 13.03.2010, 14.25 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Julia Friedrichs

Gestatten: Elite

Auf den Spuren der Mächtigen von morgen

Cover: Gestatten: Elite

Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2008
ISBN-10 345550051X
ISBN-13 9783455500516
Gebunden, 255 Seiten, 17,95 EUR

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Klappentext

"Es gibt Menschen, sagte er, die sind oben; das sind Gewinner. Und Menschen, die sind unten; die Verlierer." Und wenn man sich weigert, das zu akzeptieren? "Dann", sagte der Coach, "heißt es ganz schnell EDEKA: Ende der Karriere." "Deutschland braucht wieder Eliten", heißt es von allen Seiten. Wer oder was aber ist heute Elite? Julia Friedrichs begibt sich auf eine Reise zu den angesehensten Eliteschmieden des Landes. Julia Friedrichs ist fünfundzwanzig, als McKinsey ihr ein lukratives Job-Angebot unterbreitet - sie soll künftig zur Elite des Landes gehören. Was man sich darunter vorstellt, erlebt sie bei einem Edel-Assessment-Center - und ist geschockt. Doch das Wort "Elite" lässt sie nicht mehr los. Sie schlägt den Job aus und recherchiert ein Jahr lang an Elite-Universitäten, Elite-Akademien, Elite-Internaten. Sie taucht ein in eine Welt, in der Menschen, die weniger als siebzig Stunden pro Woche arbeiten, "Minderleister" heißen, in der zwanzigjährige Eliteanwärter Talkshow-Auftritte trainieren und Teenager Karriereberatungen buchen.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2008

Bevor wir auf Paul Noltes kritische Anmerkungen zu Julia Friedrichs Reportage kommen, zunächst einmal das Lob: Recherche, Komposition, Stil, überall gibt es Bestnoten: ein "hervorragendes Reportage-Sachbuch" sieht er vor sich liegen. Trotzdem findet Nolte, dass die Kollegin vielleicht einem "fatalen Missverständnis" aufgesessen ist. Glaubt Sie am Ende tatsächlich, dass derjenige Elite ist, der es bloß behauptet? Hätte sich Friedrichs nicht lieber bei den weniger lauten Institutionen umsehen müssen, in der Sommerakademie der Studienstiftung oder bei Jugend forscht, um die wahre Funktionselite und nicht nur aufgeblasene Direktorensöhnchen kennenzulernen? Und ist das neue Interesse der Eltern an Bildung und Förderung ihrer Kinder nicht auch zu begrüßen? Nolte diagnostiziert hier eine "analytische Unschärfe" und vermisst Vorschläge, wie man es besser machen kann. Das Lob vom Anfang gilt trotzdem.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.03.2008

Julia Friedrichs hat sich mit dem umstrittenen "E-Wort" investigativ auseinandergesetzt, erfahren wir von Ruth Führer. Ihre Reportage ist das Ergebnis einer Recherche in den Rekrutierungsstätten der angehenden Leistungs- und Wirtschaftselite, wie etwa der European Business School oder der Bayerischen Elite-Akademie. Ausschlaggebend für das Interesse an diesem Thema war die Teilnahme Friedrichs an einem Edel-Assessment bei der Firma McKinsey. Die von Hand verlesenen Nachrücker stellen sich "vornehmlich über Habitus und Verbindungen" zusammen, "individuelle Leistung spielt eine nachgeordnete Rolle", fasst die Rezensentin die Ergebnisse zusammen. Die wenigsten der erwählten Nachwuchskräfte sehen ihre "Zukunft in der Übernahme von politischer oder sozialer Verantwortung", weiß Führer nun, die sich bei einigen der zitierten Kommentare an den Autoaufkleber "Eure Armut kotzt mich an" erinnert fühlt. Vor diesem Hintergrund erscheine die Selbstdarstellung der Autorin daher wie "eine jugendliche Rebellin im Dienst der sozialen Gerechtigkeit".

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.02.2008

Mit Bestürzung hat Melanie Mühl dieses Buch über Deutschlands selbsterklärten Elitennachwuchs gelesen. Die Autorin Julia Friedrich hat sich ein Jahr lang in den Kaderschmieden der Wirtschaft umgetan, um zu verstehen, was diese Menschen in die Privatinternate und Business Schools treibt, wie sie denken, was sie wollen. Geradezu verstörend findet Rezensentin Mühl, wie selbstgerecht und schlicht sich dies ausnimmt. Bedrückend auch für die Rezensentin, wie selbstverständlich die Nachwuchskarrieristen davon ausgehen, dass die Chefetagen der Wirtschaft mit Söhnen und Töchtern aus wohlhabenden Familien besetzt werden, die von vornherein den entsprechenden Status und Habitus mitbringen. Dass Tugend ungefähr das Gleiche bedeutet wie Führungsposition. Dass Elite im Grunde Profit bedeutet. Und dass selbst dran schuld ist, wer erfolglos bleibt.

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