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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945

Band 1: Deutsches Reich 1933 - 1937

Cover:  Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945

Oldenbourg Verlag, München 2007
ISBN-10 3486584804
ISBN-13 9783486584806
Gebunden, 811 Seiten, 59,80 EUR

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Klappentext

Herausgegeben von Götz Aly, Wolf Gruner, Susanne Heim, Ulrich Herbert, Hans-Dieter Kreikamp, Horst Möller, Dieter Pohl, Hartmut Weber. Bearbeiter: Wolf Gruner. Mit der Edition zum Mord an den europäischen Juden durch das nationalsozialistisch regierte Deutschland wird erstmals eine umfassende, auf 16 Bände geplante Auswahl von Quellen vorgelegt. Das Werk zeigt die zeitgenössischen Kontexte, die Dynamiken und die Zwischenstufen des politischen und gesellschaftlichen Prozesses, der zu dem beispiellosen Massenverbrechen führte. Es lässt sich als wissenschaftliches Hilfsmittel nutzen oder kann als Schriftdenkmal für die ermordeten Juden Europas gelesen werden: von Lehrern, Forschern, Studenten und von allen Interessierten, die sich mit dem Holocaust auseinandersetzen wollen. Die Edition umfasst authentische Zeugnisse der Verfolger und der Opfer. Sie sind wissenschaftlich kommentiert und werden zum weit überwiegenden Teil erstmals veröffentlicht.
Band 1 dokumentiert die Judenverfolgung zwischen 1933 und 1937. Die chronologisch angeordneten Schriftzeugnisse lassen sichtbar werden, wie die Entrechtung und soziale Isolation der Juden in Deutschland vorangetrieben wurde, welche Rolle der Terror, das staatliche Kalkül und die Gleichgültigkeit sehr vieler Deutscher spielten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.11.2009

Rainer Blasius ist tief beeindruckt von der dokumentarischen Aussagekraft der beiden vorliegenden Quellenbände zur Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden im nationalsozialistischen Deutschland, die die Jahre 1933 bis 1937 beziehungsweise 1938 bis August 1939 abdecken. Zweimal rund 320 Schriftstücke hat das Bundesarchiv zusammen mit dem Institut für Zeitgeschichte und dem Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Uni Freiburg zeitlich und territorial gegliedert und, wie Blasius durchaus zufrieden erklärt, "knapp" kommentiert herausgegeben. Neben den beiden "vorzüglichen" beziehungsweise "herausragenden" Einleitungen erwähnt Blasius insbesondere die "eindringliche" Vergegenwärtigung der NS-Bürokratiebesessenheit durch die "teils abstoßenden, teils ergreifenden" versammelten Dokumente.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.11.2008

Rezensent Hans Mommsen stellt das Buch als ersten Band eines der größten zeitgeschichtlichen Publikationsvorhabens vor: nämlich der Zeichnung eines Gesamtbildes des jüdischen Schicksals während der NS-Diktatur anhand von Orignaldokumenten. Doch bereits Band 1 macht ihn auf konzeptionelle Probleme des Projekts aufmerksam: nämlich die Dokumente streng chronologisch und nicht thematisch sortiert zu präsentieren. Zwar sind die Dokumente des Bandes aus Sicht Mommsens ?in der Regel vorbildlich ediert?, (wenn gleich er die Fußnoten mitunter von der Substanz her etwas mager findet). Doch reicht dieser puristische Ansatz für sein Empfinden nicht aus, um das jeweilige Dokument auch tatsächlich für Leser erschließbar zu machen. Auch fehlt ihm eine inhaltliche Erläuterung der präsentierten Dokumente. Weshalb er den Herausgebern rät, hier in Zukunft mehr auf ?sachliche Zuordnung? zu setzten, um ?Komplexität? nicht in ?Unübersichtlicheit? umschlagen zu lassen. So verschafft die Lektüre seinem Eindruck zufolge einen eher ?impressionistischen Eindruck? vom Ablauf der Verfolgung.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2008

Rezensent Manfred Gailus begrüßt diesen von Wolf Gruner bearbeiteten Band über die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden, den ersten einer auf sechzehn Bände angelegten, neuen wissenschaftlichen Großedition zum Holocaust, die in den nächsten zehn Jahren realisiert werden soll. Der Auftakt scheint ihm sehr "vielversprechend": neben der instruktiven Einleitung über völkisches Denken, Antisemitismus und antijüdische Gewalt vom 19. Jahrhundert bis Ende 1937 findet er in dem Band über 300 Quellentexte aus den verschiedensten Bereichen, ideologische und programmatische Texte der Täterseite, Berichte, Tagebucheinträge, Briefe von Opfern. Er lobt die gute Auswahl der Texte sowie ihre sorgfältige Edition und Kommentierung. Die Quellentexte vermitteln für ihn ein Bild von besonderer Anschaulichkeit und "Tiefenschärfe", zumal sie einen Querschnitt bieten durch sämtliche Lebensbereiche wie Politik, Wissenschaften und Künste, Schule und Ausbildung, Medizin und Gesundheitswesen, Recht, Wirtschaft, Berufsleben, Vereine und Verbände, Alltagsleben, Gewaltereignisse. Nur das religöse Feld kommt nach Ansicht von Gailus zu kurz.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.01.2008

Ein beeindruckendes Projekt sieht Rezensent Stefan Reinecke in diesem auf sechzehn Bände angelegten Vorhaben, die Verfolgung und Ermordung der Juden während des Nationalsozialismus durch Quellentexte zu dokumentieren. Das Unternehmen, das ihn an Walter Kempowskis Echolot-Projekt erinnert, wirft bei ihm zunächst die Frage auf, ob eine solche Sammlung von Quellen überhaupt lesbar sei. Seine Antwort: Ja, auf jeden Fall. Wie er konstatiert, eröffnet der Band keine neue Perspektive auf die Vernichtung der Juden, sondern basiert auf dem breiten Konsens der Forschung. Aber die chronologisch angeordneten Texte, die die alltägliche Entrechtung und Enteignung, Denunziationen, Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden aus der Perspektive von Tätern, Opfern, Mitläufern und Profiteuren schildern, machen für ihn das Bild "genauer und anschaulicher", "rücken es näher".

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.01.2008

Von einer "großen Sogwirkung der Quellen" spricht Arno Widmann in seiner Besprechung des ersten, seinen Informationen zufolge 811 Seiten umfassenden Bandes dieser auf insgesamt 16 Bände angelegten Dokumentation. Er behandele die ersten Jahre der Nazi-Diktatur, und es ist gerade die Lapidarität, mit der hier in 320 öffentlichen und privaten Briefen und Dokumenten die schleichende Entrechtung abgebildet wird, die dem Rezensenten allergrößten Eindruck macht. Klar macht Widmann dieser Band unter anderem aber auch, dass der Antisemitismus alle Bevölkerungsschichten ergriffen hatte, die "Endlösung" von Anfang an in der Konsequenz der nationalsozialistischen Weltsicht lag, wie viel passieren musste, damit dessen logische Konsequenz auch zur Wirklichkeit werden konnte und wie verschwindend gering schließlich der Widerstand war.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.01.2008

"Das Amtsdeutsch der Nationalsozialisten war in der Regel ausgezeichnet", stellt Franziska Augstein in ihrer Besprechung dieser gewichtigen Dokumentation zur Judenverfolgung fest. Die Spitze zielt aber offenbar nur gegen den etwas sperrigen Titel der Edition, deren Texte und Dokumente die Rezensentin ansonsten durchaus erschüttert, empört und bewegt haben. Es handelt sich dabei um den ersten einer auf insgesamt sechzehn Bände angelegten Dokumentation, für die acht Historiker verantwortlich zeichnen, darunter Wolf Gruner, Götz Aly, Ulrich Herbert und Horst Möller. Der erste Band behandelt die Jahre 1933 bis 1937, und er führt der Rezensentin eindringlich vor Augen, welch Grausamkeit schon die Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung darstellte. Vor dem Hintergrund der späteren physischen Vernichtung sei dies vielleicht zu sehr aus dem Blick geraten. Augstein zitiert aus Abschiedsbriefen verzweifelter Juden, aus Denunziationen oder Verteidigungsschriften. Und immer, betont die Rezensentin eingenommen, erfahre man, was aus den erwähnten Menschen geworden sei.

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