1969 erschien, wie es damals hieß, ein "Reader" von Peter Handke, der den Untertitel trug: "Prosa Gedichte Theaterstücke Hörspiele Aufsätze". Die dort abgedruckten Gedichte waren dem im selben Jahr publizierten Band "Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt" entnommen, in dem der Autor 42 für Lyrik bisher nicht verwendete Textformen entdeckte: etwa "Die Aufstellung des 1. FC Nürnberg vom 27.1.1968", den Vorspann zum Film "Bonnie und Clyde" usw. Und obwohl Peter Handke in den darauffolgenden Jahren als Prosa- und Theaterautor sowie Verfasser von Aufsätzen in den Vordergrund trat, wendete er sich nicht von der Ausdrucksform Gedicht ab. Dies belegen etwa die Langgedichte "Leben ohne Poesie" oder "Blaues Gedicht" in dem Band "Als das Wünschen noch geholfen hat" (1974), das "Gedicht an die Dauer" (aus dem Jahre 1986) sowie die Haikus in den Notizbüchern, etwa den 2005 veröffentlichten Gestern unterwegs.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2008
"Er sei kein Lyriker". Mit dieser Selbsteinschätzung Peter Handkes beginnt Harald Hartungs Rezension dieses Bandes mit dann eben doch Gedichten des Autors. Versammelt ist fast das sämtliche von Handke seit dem Band "Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt" verfasste lyrische Werk. Als "avantgardistischer" Sprachspieler hat der Dichter, so Hartung, begonnen, dann aber kam es zur Wende und dem Wunsch der Darstellung "neuer Erfahrungen". Von den drei Langgedichten der siebziger Jahre präferiert der Rezensent das mit dem Titel "Blaues Gedicht", sehr angetan ist er aber auch vom Mittelteil "Das Ende des Flanierens", der Notizen, Bruchstücke oder gar ein regelgerechtes Haiku präsentiert. Dem Urteil des Dichters, dass er kein Lyriker sei, will sich Hartung nach Lektüre des Bandes nicht mehr anschließen. Mindestens, findet er, sei Handke ein "lyrischer Epiker".
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