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zuletzt aktualisiert 22.02.2012, 15.59 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Andrej Bitow

Das Puschkinhaus

Roman

Cover: Das Puschkinhaus

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN-10 3518419226
ISBN-13 9783518419229
Gebunden, 590 Seiten, 29,80 EUR

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Klappentext

Aus dem Russischen von Rosemarie Tietze. Leningrad, November 1961. Am Morgen nach den Revolutionsfeierlichkeiten tobt der Wind durch die ausgestorbene Stadt, reißt das Fenster eines kleinen Palais auf und entdeckt den Philologen Ljowa Odojewzew tot am Boden seines verwüsteten Arbeitszimmers liegend, eine Duellpistole Puschkins in der Hand. Mit dieser Szene beginnt Andrej Bitows legendärer Roman, der neben Nabokovs "Gabe", Bulgakows "Meister und Margarita" und Jerofejews "Moskva Petuski" zu den prägenden Büchern einer neuen Autorengeneration in Russland gehörte. Ljowa, Spross eines Adelsgeschlechts, ein indifferenter Held unserer Zeit, zwischen verschiedenen Frauen hin- und hergerissen, hat sich in der Gelehrtenexistenz eingerichtet. Erschüttert von der Begegnung mit dem Großvater, der dreißig Jahre in Arbeitslagern zugebracht hat, wählt Ljowa dennoch den Weg seines Vaters. Väter und Söhne verbindet die Einsicht, dass Flucht, Untreue und Verrat lebensnotwendig sind.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.06.2008

Rezensentin Olga Martynova freut sich sichtlich, diese "gerade preisgekrönte" Neuübersetzung eines Klassikers der russischen Nachkriegsliteratur zu empfehlen und bei dieser Gelegenheit auch noch einmal den Autor und seinen "emblematischen" Helden zu präsentieren, der im titelgebenden Leningrader Literaturinstitut "Puschkinhaus" beschäftigt ist. Sie stellt den Schriftsteller Andrej Bitow als prominenten Vertreter der sogenannten Tauwetter-Generation, seinen Roman aber schon als Produkt der "Post-Tauwetterzeit" vor, in dem sie die ganze Tristesse der spätsowjetischen Ära bereits spüren kann. Auch zählt sie das Werk mit seinen zahlreichen essayistischen Exkursen, literarischen Zitaten, Ironisierungen und Abschweifungen - das letzte Kapitel besteht ihren Informationen zufolge ausschließlich aus den Gesprächen betrunkener Schriftsteller - zu den Meilensteinen der russischen Postmoderne.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.05.2008

Den Winter riechen kann Rezensentin Sabine Berking an Andrej Bitows Roman "Das Puschkinhaus", der nun erstmals unzensiert und in neuer Übersetzung vorliegt. Nachdem Berking ihre Rezension als Einführung in den russischen Zusammenhang von Jahreszeit und Politik hat beginnen lassen (alle wichtigen Ereignisse seien im Winter geschehen, orakelt sie), lobt sie die "überaus elegante" deutsche Übersetzung und freut sich über den an literarischen Bezügen reichen Klassiker als "Hommage an die russische Literatur und die Russen", ja, als "Hommage an die Sprache" selbst. Die Geschichte um den Literaturwissenschaftler und Junggesellen Ljowa Odojewzew, der nach einer durchzechten Nacht im Puschkinhaus (in dem er eigentlich als Wachmann angestellt war) alle Hebel in Bewegung setzen muss, um die Schäden eines im Alkoholexzess veranstalteten Duells zu beheben, bietet der Rezensentin tiefe Einblicke in die sogenannten Tauwetterjahre, die das Nachwort von Rosemarie Tietze noch einmal in Erinnerung ruft.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.01.2008

Rezensent Jörg Plath ist beeindruckt von dieser Neuauflage von Andrei Bitows parodistischem Roman, der 1971 fertig gestellt und sieben Jahre später im Ausland publiziert wurde - was dem russischen Autor in seiner Heimat ein Publikationsverbot einbrachte. Dabei ist seine "verheerende Charakterisierung" der sowjetischen Lebensrealität nach Meinung des Rezensenten sehr unterhaltsam. Die Abrechnung mit gesellschaftlichen Dogmen und die Parodisierung des klassischen Bildungsromans geht in Plaths Augen auf. Eine Bereicherung gegenüber der ursprünglichen deutschen Ausgabe ist, dass diesmal auch der vom Autor frisch überarbeitete Kommentar mit aufgenommen wurde. Die neue Übersetzung von Rosemarie Tietze gefällt Plath sowieso sehr gut. Er findet ihren Stil "wunderbar quirlig" und freut sich zudem an ihren Kommentierungen von Bitows Kommentar. "Das passt gut zum Roman und zu seinen Abschweifungen."

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