Mit seinem "Illustrierten Thierleben" begeisterte Alfred Edmund Brehm ganze Generationen für die belebte Natur. Was er auf Reisen und in zoologischen Gärten erlebt und beobachtet hatte, fasste er in einfühlsam und leidenschaftlich formulierten Geschichten zusammen, die er von den besten Tiermalern der Zeit illustrieren ließ. Doch in der evolutionsgeschichtlich kurzen Zeit von noch nicht einmal 150 Jahren sind zahlreiche Tierarten verschwunden, deren Lebensgewohnheiten Brehm noch beschrieben hatte. Dieses Buch stellt 196 inzwischen ausgestorbene Vögel und Säugetiere in den Worten Brehms und anderer zeitgenössischer Zoologen vor. Die klassischen Texte werden durch Informationen nach dem heutigen biologischen Kenntnisstand ergänzt. Jedes Tier wird mit einer eigens angefertigten Illustration vorgestellt. Zwei große Weltkarten geben eine Übersicht über die Verbreitung aller bekannten, seit 1500 ausgestorbenen Vögel und Säugetiere.
Einen mediokren Eindruck hat Hanna Zeckaus und Carsten Aermes' Buch "Brehms verlorenes Tierleben" bei Rezensent Wolfgang Müller hinterlassen. Der Band, der Beschreibungen Brehms von Tieren versammelt, die inzwischen ausgestorben sind, gefällt ihm zunächst wegen der netten Aufmachung. Aber irgendwie mutet ihn die Anordnung des Materials etwas beliebig an. Vor allem die selbstentwickelten Piktogramme, die über Nahrung, Lebensraum und Gründe des Aussterbens informieren sollen, verwirren ihn. "Dekoratives Ornament", so das Urteil. Auch die Tierzeichnungen haben ihn nicht wirklich begeistert, wirken sie auf ihn doch "sehr flächig, farblos, körperlos und opak". Lobend äußert er sich dagegen über das instruktive Vorwort des Biologen Josef Reichholf. Fazit: Das Buch sei so notwendig wie das verschollene Kapwarzenschwein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2008
Hocherfreut ist Julia Voss über Hanna Zeckaus und Carsten Aermes' Band "Brehms Verlorenes Tierleben". Sie würdigt das Werk als ein "großartiges Lexikon ausgestorbener Arten", das mit den Texten Alfred Brehms zahlreiche Vögel und Säugetiere vorstellt, die in den letzten 150 Jahren ausgestorben sind. Dabei hebt sie den Anspruch von Zeckau und Aermes hervor, mehr als ein Lesebuch vorzulegen, das den wegen seiner vermenschlichenden Tierbeschreibungen lange verpönten Naturschriftsteller des 19. Jahrhunderts als Erzähler und Literaten wiederentdeckt. Das Buch nehme Brehm als "naturkundlichen Beobachter" und "Chronisten" ernst. Voss begrüßt in diesen Zusammenhang, dass die Texte Brehms "unangetastet" blieben und nur die Artbezeichnungen, wo nötig, aktualisiert wurden. Lobend äußert sie sich über das Vorwort des Evolutionsbiologen Josef H. Reichholf. Der Band zeichnet sich in ihren Augen zudem durch drei Glanzpunkte aus: die Bildlegenden zu jeder Art, die über Lebensraum, Nahrung, Größe, Verbreitungsgebiete und Ursache des Aussterbens informieren, die drei großen Übersichtskarten zu den ausgestorbenen Arten und die siebzig farbigen Bildtafeln zu den Tieren.
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