Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Während einer Reise in seine Geburtsstadt Budapest begegnet Robert Singer, der als Exilungar in Wien lebt und dort als stellvertretender Direktor des Instituts für Jugendstil tätig ist, einem ärmlich gekleideten Mann, der ihn anspricht. Robert kann den "Fremden" zunächst nicht identifizieren und lädt ihn aus Verlegenheit in ein Restaurant ein, wo er sich als sein alter Schulkamerad Feri K. entpuppt. Das flüchtige Wiedersehen nach vierzig Jahren läßt in Robert eine tief verwurzelte Geschichte wieder aufleben, Bilder aus einer längst vergangenen Zeit werden wach...
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.01.2008
Laut Rolf-Bernhard Essig handelt es sich bei György Dalos' "Jugendstil", das der Verlag als Roman etikettiert, nach Umfang und Anlage wohl doch eher um eine Novelle und er hat es vor allem als -nun ja, "Jugendbuch" gelesen. Das liegt zum einen daran, dass das Buch hauptsächlich die Jugendgeschichte des ungarischen Juden Robert Singer erzählt, der zum begeisterten Kommunisten wird und trotzdem Schwierigkeiten mit der Polizei bekommt. Außerdem spielen klassische Jugendthemen wie erste Liebe und Verrat eine wichtige Rolle, erklärt der Rezensent, der das Buch dennoch überwiegend gern gelesen hat. Denn nicht nur kann der heute in Berlin lebende ungarische Autor seine Geschichte sehr spannend erzählen und überzeugende Charaktere zeichnen, er halte sich glücklicherweise auch mit "Erklärungen" zurück und lasse die Ereignisse für sich selber sprechen, so Essig erfreut. Die Übersetzung, die auf eine Rohübertragung Dalos' selbst zurückgeht, findet der Rezensent häufig holprig, trotzdem kann er sich der Spannung des Buches nicht entziehen und findet in den Reflexionen des zurückblickenden Singer sogar noch eine "menschliche und ästhetische Tiefendimension", die ihn vollkommen entschädigt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.12.2007
György Dalos hat in seinem Roman "Jugendstil" seine eigene Jugend im Ungarn der 60er Jahre verarbeitet, meint Franz Haas, denn zwischen der Hauptfigur Robert Singer und seinem ungarischen, heute in Berlin lebenden Autor stimmen viele autobiografische Details überein. Singer, ein Schüler zwischen Strebertum und Engagement im kommunistischen Jugendverband, das nicht zuletzt dazu dient, die Ablehnung, die er als Spross aus dem Kleinbürgertum und als Jude im sozialistischen Ungarn erfährt, aufzuheben, gerät mit dem Arztsohn und Außenseiter Feri aneinander. Denn durch Singers Zutun wird ihm die Teilnahme an einem Schulfest verwehrt und dafür rächt sich Feri bitter, fasst der Rezensent zusammen. "Ironie und Melancholie" bestimmen den Ton dieses Romans und begeistern den Rezensenten immer wieder mal mit bitterböser Komik, beispielsweise bei der Schilderung der Sitzungen des kommunistischen Jugendverbandes, mal durch berührende Vergegenwärtigungen der Großmutter Singers beziehungsweise Dalos'.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.12.2007
Tobias Heyl ist von diesem kurzen Roman, der im Budapest der frühen 60er Jahre spielt, höchst angetan und spricht ihm gleichermaßen moralische Tiefgründigkeit wie große "literarische Kraft" zu. Es geht um den jüdischen Oberschüler Robert Singer, der sich als eher opportunistischer Kommunist trotzdem dem als bürgerlich geächteten Jugendstil verschrieben hat. Eine Aufsichtsverletzung als Ordner auf einem Schulfest ruiniert seine Parteikarriere und lässt ihn zudem die ganze antisemitische Ablehnung des Systems spüren. Dalos verlässt sich in seinem Buch auf die traditionelle Novellenform und der Rezensent erkennt darin auch eine "eminent politische Geste". Es wirft Fragen nach Schuld und Verantwortung auf und hält nicht zuletzt die Erinnerung an Orte und Menschen fest, die in der Geschichtsschreibung keinen Widerhall finden, lobt Heyl.
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