"Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken", schreibt Karl Kraus. Das zweitgenannte Unvermögen ist bei vielen Schreibenden womöglich ausgeprägter als das erste. Das "Lexikon der Sprachkunst" sucht hier Abhilfe zu schaffen, indem es die rhetorisch-stilistischen Hilfsmittel von A bis Z in einem Band aufführt. Der Bogen ist weit gespannt - von rhetorischer "Abschwächung" (Antiklimax) bis "Zungenbrecher" (Glossorachie). Man findet sich durch Querverweise ohne viel Vorwissen in dem Buch sehr gut zurecht. Eine Besonderheit sind die über 1000 Beispiele, die aus dem Nachschlagewerk zugleich ein einzigartiges Lesebuch der Stilkunst machen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.08.2000
Von der "Synekdoche" zur "Motonymie": Wer Spaß daran hat, der kann hier im "Beziehungsgeflecht und Verweisungsnetz rhetorischer Stilformen" schwelgen, meint der Rezensent mit dem Kürzel "rh", der auch die Gründlichkeit und den Unterhaltungswert des Lexikons lobt. Ein kleiner Tadel fehlt jedoch nicht: Autor Dominik Harjung bediene sich zu oft des Stilmittels der "Redundanz", sprich der "Weitschweifigkeit". Was soll`s: Wer im Sprachuniversum reisen will, der muss auch etwas leiden.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…