Der nationalsozialistische Völkermord in Ostgalizien begann 1941 mit dem Mord an 25 polnischen Professoren in Lemberg. Jedes polnische Geschichtsbuch erwähnt dieses Verbrechen als Beispiel für die Skrupellosigkeit und Brutalität der Nationalsozialisten. In der Bundesrepublik ist es hingegen weitgehend unbekannt. Die Ermittlungen der zuständigen Staatsanwaltschaft Hamburg wurden sogar mehrfach eingestellt. Hinter ihren Bemühungen ist kein ernster Aufklärungswille erkennbar. Bis Juli 1944 ermordeten die nationalsozialistischen Machthaber in Ostgalizien eine halbe Million Menschen. Im Rahmen der Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes zur Vernichtung der polnischen Intelligenz tötete eine SS-Einsatzgruppe z.b.V. unter Eberhard Schöngarth in Lemberg auf brutalste Weise 25 hochkarätige polnische Wissenschaftler und etwa ebenso viele Familienmitglieder, Freunde und Hausbewohner. Unter Beteiligung der Professorenmörder nahm danach die Vernichtung der galizischen Juden ihren schrecklichen Lauf. Massenerschießungen, Vergasungen in Belzec, "Vernichtung durch Arbeit", grauenhafte Tötungen im berüchtigten "Janowska-Lager". Das Massengrab der Professoren wurde bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Das Verbrechen ist ungesühnt.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 06.12.2007
Ebenso wichtig wie fesselnd und in ihren Ergebnissen bestürzend findet Rezensent Friedemann Bedürftig Dieter Schenks Rekonstruktion eines Kapitels der systematischen Auslöschung polnischer Eliten durch die Nazis während des Zweiten Weltkrieges. Der hier dokumentierte Fall hat sich seinen Informationen zufolge im Juli 1941 zugetragen, als die deutsche Wehrmacht die nach dem Hitler-Stalin-Pakt 1939 sowjetisch gewordene polnische Stadt Lemberg eroberte. Systematisch hätte die SS hierbei 25 Hochschullehrer samt ihrer Familien ermordet. Und zwar auf der Basis von Listen, die von mit den Nazis kollaborierenden ukrainischen Studenten erstellt worden seien. Der Fall ist für den Rezensenten ebenso exemplarisch, wie bedrückend, da der Mord nie juristisch aufgearbeitet worden sei. Auch die Lektüre lasse den Leser nicht los, schreibt der Rezensent, weil Schenk den Fall an konkreten Figuren und nicht an Zahlen aufrollen würde.
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