Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Box mit 4 Audio-CDs, 290 Minuten. In langen Gespräch-Sessions haben suppose-Betreiber Klaus Sander und der Schriftsteller Peter Kurzeck das Produktionsverfahren der freien Erzählung für die Literatur angewandt. Herausgekommen ist ein Roman, der ausschließlich in akustischer Form existiert. Das Dorf Staufenberg im Landkreis Gießen liegt auf einer Felskuppe. Hoch oben die alte Burg. Wenn der böhmische Flüchtlingsjunge Peter vom Turm ins Tal blickt, kommt ihm das wogende Korn vor wie das Meer, das er nicht kennt, sich aber immer wieder vorstellen muss, und die Flugameisen, die nur hier und nur an wenigen, Jahr für Jahr wiederkehrenden Tagen Hochzeit feiern, erzählen ihm vom Sommer, der kommt.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.07.2008
Ein interessanter und sehr ungewöhnlicher Seitenzweig von Peter Kurzecks großem Erinnerungsproduktionsprojekt: das Hörbuch als Original. Kurzeck, der hier spricht, liest nämlich nicht eigenen Text, sondern hat ihn im Studio vor aufnahmebereiten Mikrofonen mündlich erzählend erst hergestellt. Höchst erstaunlich findet Christiane Zintzen, was dabei herauskommt. Nämlich keineswegs eine unstrukturierte Suada, sondern ein Text, der nach den "Topoi der Rhetorik" - des Raums und der Jahreszeit - organisiert ist. Weit zurück geht es in der Erinnerung, es beginnt im Frühjahr 1946, da ist Peter Kurzeck gerade mal drei. Es wird Herbst, es wird Winter beim warmen Licht der "25-Watt-Birnen". Dann kommen Fernsehen und Automobil und hinein geht es in die "Beton-Epoche des verwalteten Lebens". Beeindruckt ist Zintzen davon, wie die Erinnerung bei Kurzeck diesen Beton durch Beschwörung zu "sprengen" versteht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2007
Restlos begeistert ist Andreas Platthaus von diesem schon der Konzeption nach einzigartigen Hörbuch. Der Schriftsteller Peter Kurzeck nämlich liest nicht einfach vor, was er geschrieben hat. Sondern er erzählt, und zwar spontan und mündlich. Wie er dies tut, ist, wenn man Platthaus glauben darf, ganz und gar virtuos, und die Stimme, die man nach dem Hören im Ohr hat, ändert auch, wie der Rezensent feststellt, den Blick auf die schriftlichen Texte des Autors. Kurzecks Lebensthema ist die Erinnerung, und zwar die eigene, damit aber auch die Beschäftigung mit dem Untergehen der Dinge. Nicht weniger als den Nachfolger des jüngst verstorbenen Walter Kempowski als Chronist des Lebens in Deutschland will Platthaus in Kurzeck erkennen - und auch die öfter zu hörenden Vergleiche mit Marcel Proust will er nicht völlig von der Hand weisen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.12.2007
Den Rezensenten Christoph Schröder bringt dieser Hörbuch-Roman von Peter Kurzeck zum Schwärmen. Das liegt nicht nur an der faszinierenden Produktionsweise, die sich dadurch auszeichnet, dass "das Werk, das in der Sekunde, in der es laut formuliert wird, erst entstanden ist." Kurzeck ist nach persönlicher Beobachtung des Rezensenten ein so begnadeter Geschichtenerzähler, dass eine derartige Herangehensweise durchaus authentisch wirkt. Das Resultat ist in Schröders Augen ein "hypnotisierender Monolog", dessen Wert nur durch den "manischen Erinnerungszwang", der Kurzeck antreibt, etwas gemindert wird. Doch "große Literatur" ist dieser gesprochene Roman nach Meinung des Rezensenten allemal.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.12.2007
Ausgesprochen beeindruckt hat Rezensent Jörg Magenau diesen Roman zur Kenntnis genommen, für den es, wie er schreibt, keine schriftliche Vorlage, sondern wirklich nur diese Hörfassung gibt. Ihn erinnert das an die Anfänge des Erzählens rund um das Lagerfeuer. Dabei sei die geschilderte Welt übersichtlich: nichts mehr als das hessische Dorf Staufenberg, in das Kurzeck 1946 als böhmisches Flüchtlingskind gekommen sei, und das er schon vor zwanzig Jahren in seinem Roman "Kein Frühling" beschrieben hat. Viele Geschichten kennt Magenau dementsprechend schon, und doch klingen sie hier in dieser Lesung plötzlich schlichter, direkter erzählt, neu. Der Rezensent gibt sich auch dem "nostalgischen Ton" dieser Erzählungen sehr gerne hin. Staunt über eine Welt, in der augenscheinlich nichts Böses existiert, in der der freundliche Blick des erzählenden Betrachters von den beschriebenen Menschen und Dingen zurückgeworfen wird.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.11.2007
Mit Begeisterung bespricht Rezensent Hubert Winkels Peter Kurzecks fünfstündige, mündliche Erzählung "Der Sommer, der bleibt", die nun auf 4 CDs zu hören ist als "Roman ohne Schrift". Denn hier hat Kurzeck für Winkels etwas ziemlich Unerhörtes in die literarische Landschaft gestellt: einen mündlichen Roman nämlich, der den Hörer zum "Zeugen der Verfertigung eines Kunstwerks beim Reden macht. Kurzeck erzähle darin das Dorf seiner Kindheit, erschaffe es sozusagen in der Sprache und vermittelt die Geschichte für Winkels durch "phonetische Realpräsenz" inklusive dialektgefärbter Diktion in unerhört authentischer Weise. Hörend werde man gleichsam Zeuge eines Augenblicks, der sich ins Unendliche verlängere und der Rezensent wird von Kurzeks "intensiv-sinnlichen Schilderungen" eines hessischen Dorfes und des Lebens darin so eingesaugt, dass für ihn viele Grenzen verschwimmen: von Kunst und Leben, Wirklichkeit und Traum, von sich selbst und dem geschilderten Anderen. Auch der Mut des Verlages, solch literarisch Innovatives auf den Markt zu bringen, wird sehr gelobt. Allerdings hätte sich der Rezensent ein wenig mehr Transparenz in Sachen Technik, Tonschnitt und andere Produktionsbedingungen gewünscht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.11.2007
Tobias Lehmkuhl mag den CD-Player gar nicht mehr ausschalten, so angenehm findet er Peter Kurzecks Stimme und das darin zum Ausdruck kommende Glück der Kindheit. Zwar spart Kurzecks "Hörbuch-Roman" auch das Leid der Nachkriegszeit nicht aus, wie Lehmkuhl erklärt, beeindruckt hat den Rezensenten aber vor allem der bis heute nachwirkende und für ihn in Kurzecks Stimme und seinen "liebevollen" Beschreibungen sich widerspiegelnde "Zauber" des kindlichen Einsseins mit der Welt. Was dem Rezensenten in Kurzecks Büchern "hartnäckig" erscheint, kommt ihm in der frei und durchaus mit "hessischem Zungenschlag" gesprochenen Wiedergabe milder vor, wenn auch ebenso detailverliebt.
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