Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Raymond Radiguet
Den Teufel im Leib
Klappentext
Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Hinrich Schmidt-Henkel. Mit siebzehn Jahren schrieb Raymond Radiguet diesen Roman, der 1923 einen Skandal auslöste, Radiguet aber auch glühende Bewunderer wie Paul Valery, Jean Cocteau und Pablo Picasso verschaffte. Hinrich Schmidt-Henkel überträgt den Roman erstmals in einen zeitgemäßen Ton. "Ich weiß, dass ich mich Vorwürfen aussetze. Aber kann ich etwas dafür? Ist es mein Fehler, dass ich wenige Monate vor Kriegsbeginn zwölf Jahre alt wurde? Alle, die mich verurteilen, sollten sich vor Augen führen, was der Krieg für so viele Heranwachsende wie mich bedeutete: vier Jahre große Ferien." Francois ist fünfzehn Jahre alt, als er sich in die achtzehnjährige Marthe verliebt, deren Ehemann im Ersten Weltkrieg kämpft. Zwischen den Heranwachsenden entspinnt sich eine ebenso leidenschaftliche wie aussichtslose Affäre. Als Marthe von Francois ein Kind erwartet, bricht eine Katastrophe über die Liebenden herein.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.02.2008
So ganz kann sich Rezensent Frank Schäfer nicht vermitteln, warum dieser Skandalroman von 1923 jetzt so unbedingt neu übersetzt und publiziert werden musste. Gut, diese "juvenilen Konfessionen" rücken noch einmal national-emotionale Gemengelagen nach dem Ersten Weltkrieg ins Visier und der Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel hat der Rezensent auch nichts vorzuwerfen. Insgesamt ist das Werk, das die Geschichte eines frühreifen Teenagers erzählt, der mit der Braut eines französischen Frontsoldaten eine Beziehung beginnt, aus seiner Sicht jedoch von zweifelhaftem literarischen Wert und krankt an Schwächen, die man auch bei heutigen popkulturellen Werken diagnostizieren könnte: zum Beispiel einem Hang zur "sentenziösen Schlaumichelei", zu gestelztem Bemühen um postpubertäre Exzentrik des Helden bei gleichzeitiger Vernachlässigung aller übrigen Charaktere, die aus Sicht des Rezensenten in diesem Werk über Stereotypen nicht hinauskommen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.12.2007
Laut Joseph Hanimann ist es vor allem der mal freche, mal altkluge Ton, der die Wirkung des 1923 erstmals im französischen Original erschienen Romans des damals 17-jährigen Raymond Radiguet ausmacht. Seither haben sich mit wechselndem Erfolg Übersetzer darum bemüht, diesen Ton ins Deutsche zu retten, was der vorliegenden Fassung von Hinrich Schmidt-Henkel hervorragend gelungen ist, wie der Rezensent lobt. Der Roman dreht sich um die Affäre zwischen dem 15-jähigen Francois und der vier Jahre älteren Marthe, deren Ehemann als Soldat im Zweiten Weltkrieg kämpft. Die sich um moralische Vorstellungen nicht scherende Darstellung hat sich bis heute die "Frische" bewahrt und ihr von der Pariser Boheme als genial verehrten und schon im Alter von 20 Jahren verstorbenen Autor spielt bei seiner Schilderung des Beginns und des Niedergangs einer Liebe meisterhaft auf der Klaviatur der wechselnden Empfindungen, so der Rezensent hingerissen. Dass sich der Übersetzer Schmidt-Henkel die Freiheit nimmt, sich so weit wie nötig vom französischen Original zu entfernen, um den spezifischen Klang dieser zwischen "Jugendglück und Frühreife" changierenden Prosa einzufangen und auch im Deutschen zum schwingen zu bringen, lobt Hanimann besonders.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.11.2007
Thomas Laux zeigt sich von der "radikalen Modernität" und der jugendlichen Unverfrorenheit des Romandebüts des bereits 1923 gerade mal 20-jährig verstorbenen Raymond Radiguet recht beeindruckt, wobei er darauf pocht, dass der Roman mehr zu bieten hat als provokante Tabubrüche. Der französische Autor schildert eine verbotene Liebe zwischen dem 16-jährigen Francois und der mit einem Soldaten verlobten Marthe. Skandal hatte bei seinem Erscheinen 1923 nicht nur die mit gesellschaftlichen Tabus brechende Darstellung der Affäre gemacht, sondern insbesondere die pazifistische Grundhaltung des Protagonisten und die Abwesenheit patriotischer Bekundungen, die Radiguet den Gehörnten ausgerechnet als Soldaten in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs schildern lässt, erklärt der Rezensent. Wenn er auch findet, dass manches, was der jugendliche Francois über die Liebe vom Stapel lässt, ziemlich "altklug" daherkomme, so attestiert er dem Roman insgesamt überraschende Frische. Auch die deutsche Neuübersetzung findet seinen Beifall und er lobt sie als erfreulich unverstaubt und pointiert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.11.2007
Mit großer Vorfreude hat Ina Hartwig auf die angekündigte Neuübersetzung von Raymond Radiguets "Le diable au Corps" durch den Celine-Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel gewartet. Radiguet ging schon als Jugendlicher nach Paris, wurde dort als Wunderkind gefeiert und von Cocteau glühend geliebt, und starb bereits 1923 mit gerade einmal 20 Jahren, teilt die Rezensentin mit. Die Übertragung ins Deutsche hat die Rezensentin auch nicht enttäuscht, man vergesse geradezu, eine Übersetzung in Händen zu halten. Dem Roman selbst, der die Affäre eines Schülers mit einer Offiziers-Ehefrau erzählt, kann sie dagegen nichts abgewinnen. Für sie entpuppt sich der jugendliche Held in seinem "altklugen" Räsonieren über die Liebe nämlich schlicht als "Angeber", wie sie ernüchtert moniert.
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