Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner. Italo Svevos Romandebüt beleuchtet das Schicksal eines Parvenüs, der alles auf eine Karte setzt - auf die Herzdame nämlich. Alfonso Nitti versucht sein Glück als Verehrer der Tochter seines Chefs. Nittis libidinöse Absichten verschränken sich mit dem Wunsch, in die bessere Gesellschaft Triests aufzusteigen. Italiens Klassiker des frühen 20. Jahrhunderts seziert treffsicher und schonungslos die Psyche des modernen Mannes. Alfonso findet, dass seine Talente Anlass zu den schönsten Hoffnungen geben. Aus dem Triester Hinterland kommend, erscheint der Berufsalltag dem kleinen Bankangestellten zwar vorerst als ziemlich eintönig und bedrückend. Doch jenseits beruflicher Subordination gibt es ja noch die Welt des freien Geistes, und in diese schwingt sich der phantasiebegabte Idealist beherzt empor. Eine moralphilosophische Schrift, an der er im geheimen arbeitet, soll das gesamte abendländische Denken revolutionieren und ihrem Verfasser Ruhm einbringen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2008
Wolfgang Schneider findet den neuübersetzten Debütroman von Italo Svevo sympathisch. Zwar fällt es ihm nicht immer leicht, den naturalistischen Darstellungen der Angestelltenwelt zu folgen, in die Svevo den Leser 20 Jahre vor Kafka immerhin entführt, das Talent des jungen Autors aber scheint ihm unverkennbar. Genau wie die Ausflüchte ins Imaginäre, die Svevo seinem liebesfaulen und überhaupt eher dem Tod als dem Leben zugeneigten Helden gewährt, ihm strukturell typisch vorkommen für diesen Autor und sein Werk. Schneiders Geduld, auch angesichts "langwieriger Szenen der Beziehungsanbahnung", wird belohnt mit Komik und psychologischer Genauigkeit der Beschreibung. Warum allerdings das Buch eine neue Übersetzung nötig hatte, will dem Rezensenten nicht gänzlich einleuchten. Zwar findet er Barbara Kleiners Arbeit präzise und modern, aber auch ein wenig spröde.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.01.2008
Rezensent Ulrich Rüdenauer findet es ausgesprochen begrüßenswert, dass der Romanerstling Italo Svevos von 1892 über ein verpasstes Leben wieder in deutscher Sprache erhältlich ist. Zudem die Wiederentdeckung dieses Romans durch Barbara Kleiners, die unbalancierte Gefühlswelt von Svevos Helden fein auslotende Übersetzung wohl ausgesprochen begünstigt wird. Aber auch dieser Held selbst, der so lange zögert und zaudert, bis er alle Gelegenheiten zum Handeln (und zu Leben) verpasst hat, rührt den Rezensenten sehr, führt ihn an Svevos eigene biografische Abgründe heran und entlarvt auch die bürgerliche Illusion der Selbstverwirklichung.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.12.2007
Erfreut zeigt sich Rezensentin Maike Albath über diese Ausgabe von Italo Svevos Debüt "Ein Leben" von 1892, der nun in einer neuen Übersetzung vorliegt. Sie sieht in dem Werk über den Bankangestellten Alfonso Nitti, der sich zum Schreiben berufen fühlt, sich aber unglücklich in sein Schicksal fügt, einen der ersten Angestelltenromane der Weltliteratur. Svevo schildere die Geschäftspraxis der Bank, die bürokratischen Vorgänge, den Büroalltag, die Mitabeiter Nittis mit "untergründigem Grausen". Albath bescheinigt dem Autor, die Umwälzungen der Zeit mit ihren Entfremdungsmechanismen prägnant auf den Punkt zu bringen. Sie würdigt den Roman zudem als "grandiose Milieustudie". Dass ihm seinerzeit kein Erfolg beschieden war, erklärt sie damit, dass die Angestellten damals noch den Aufstiegstraum des Kleinbürgers verkörperten. Mit hohem Lob bedenkt sie auch die hervorragende Übersetzung von Barbara Kleiner.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2007
Als Geschichte vom "schwächelnden Ich" hat Hanns Zischler Italo Svevos Roman "Ein Leben" gelesen, dessen Wiederauflage er in der Sonntags-FAZ freudig begrüßt. Im Mittelpunkt sieht er den Bankangestellten Alfonso, einen Emporkömmling und Einfaltspinsel, der sich Aufstiegschancen ausrechnet, als er mit der launischen Tochter des Chefs anbandelt, aber nie überblickt, worauf sein Handeln hinaus laufen wird. Als Verkörperung von Alfonsos Hemmungen betrachtet Zischler die Tochter, die seinen Untergang besiegelt, als das heimliche Zentrum des Romans. Bemerkenswert scheint ihm die beklemmende Atmosphäre, die Svevo erzeugt: sowohl in der Familie, bei der Alfonso wohnt, als auch auf der Arbeit in der Bank, herrschen permanent eine Stimmung von Ängstigung und Bedrohung. Mit Lob bedenkt er das Nachwort von Edgar Sallager und die prägnante Übersetzung von Barbara Kleiner.
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