Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Rumänischen von Gerhardt Csejka. Rumänien um die Mitte des 20. Jahrhunderts - Mircea Cartarescu erzählt die Geschichte seines Landes und seiner Kindheit in einem großen Prosaspektakel: Was als Selbsterkundung des 15-jährigen Mircea beginnt, entwickelt sich allmählich zu einem Epos, so phantastisch, wie es seit "Hundert Jahre Einsamkeit" nicht mehr zu lesen war. Die Stadt Bukarest wird zur Weltbühne, die Familiengeschichte zum Welttheater, gestaltet in vielerlei Nuancen, detailgenau, komisch und voller Poesie.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.11.2007
Dass Mircea Cartarescu ein literarischer Könner ist, steht für Rezensent Hans-Peter Kunisch außer Frage, den ersten Band der Trilogie "Die Wissenden" lässt er aber nicht ganz kritiklos davonkommen. Gelungen findet er die Figur Ion Stanilas, eines Denkmalsäuberers in Ceausescus Rumänien, der sich über eine zur Partei gehörige Frau zum Offizier der Securitate praktisch hochschläft. Dieser Ion Stanila wird kontrastiert mit dem Vater des Ich-Erzählers, einem Bauernsohn, der den Aufstieg zum Offizier nicht schafft und sich als Zeitungsausträger verdingen muss. Angetan ist er auch vom ersten Teil der Biografie des Erzählers, die auch den Sprung in "Nicht-Erlebtes", das Leben seiner Mutter in "schummrigen Halbwelten", schafft. Die sehr freie Schreibweise findet er "manchmal anstrengend, aber auch belebend". Aber für seinen Geschmack hätte Cartarescu den "Proust einer Kusturica-Welt" etwas weniger heraushängen lassen und sich stattdessen öfter "nah über dem Boden" halten können.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.11.2007
Ganz und gar überwältigt klingt Andreas Breitenstein in seiner ausführlichen Rezension dieses weit ausgreifenden Romans - der bei aller Fülle doch nur den ersten Teil einer Trilogie ausmacht. Das ganze ist schwer zusammenfassen, weil so vieles und so viel Verschiedenes an Material in den Roman eingegangen ist, aber auch weil sich die Ebenen verschieben, Wirkliches und Unwirkliches, "Organisches und Anorganisches" ineinander verschmelzen, als hätten sich, so Breitenstein, Kafka und Giger, de Chirico und Bruno Schulz zusammengetan. Im Zentrum dieses "Meisterwerks des literarischen Manierismus" stehen, so es denn ein Zentrum hat, der Ich-Erzähler - ein "Selbstporträt" des Autors - und seine Eltern, vor allem die Mutter. Der Ort ist Bukarest, die Zeit sind die sechziger und siebziger Jahre. Neben, hinter, über diesen Daten aber offenbar fantastische Gespinste, eine Gemeinschaft der titelgebenden "Wissenden" und ein metaphysisch-esoterischer Hintergrund, in den alles kunstvoll und sprachgewaltig hineingewoben wird. Die "Testosteronwolke", die über allem liegt, hat den Rezensenten, wie es scheint, nicht gestört, zum Schluss seiner Hymne auf diesen Roman merkt Breitenstein dann aber doch etwas kritisch an, dass etwas weniger eventuell doch mehr gewesen wäre.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2007
Mitgerissen fühlt sich Rezensent Jörg Plath von dem überbordenden, an den magischen Realismus Garcia Marquez' erinnernden Erzählstrom des Rumänen Mircea Cartarescu, dessen Roman "Die Wissenden" den ersten Teil einer über 1500 Seiten umfassenden Trilogie bildet. Cartarescu lässt seinen jugendlichen gleichnamigen Protagonisten eine fantastische Welt transzendieren, die mit dem sozialistischen Bukarest seiner Kindheit, gezeichnet vom "Exzess des rechten Winkels" der Plattenbauten, nicht mehr viel gemein hat, lesen wir. Für dieses gigantische Verwandlungsprojekt mache der Autor Anleihen bei literarischen Klassikern wie Swift oder Proust, er nutze aber auch Fantasy- und Horrorelemente, bevölkere die Stadt mit allerhand riesenhaften Insekten und verfüge sowohl über Kenntnisse der Geheimlehren wie der Hirnforschung. Dies alles imponiert dem Rezensenten sehr - nicht zuletzt, weil es mit "nicht wenigen erlesenen Fremdwörtern" und einer "immensen Sprachkraft" gestaltet ist.
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