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zuletzt aktualisiert 14.03.2010, 10.19 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

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Joanot Martorell

Der Roman vom Weißen Ritter Tirant Lo Blanc

3 Bände

Cover: Der Roman vom Weißen Ritter Tirant Lo Blanc

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN-10 3100426061
ISBN-13 9783100426062
Gebunden, 1656 Seiten, 98,00 EUR

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Klappentext

Aus dem Altkatalanischen von Fritz Vogelgsang. Mit einem Nachwort von Mario Vargas Llosa. Als Martorell seinen Ritterroman vor einem halben Jahrtausend schrieb, waren Konstantinopel und der oströmische Kaiser gerade im Kampf gegen die moslemische Übermacht gefallen. Martorell setzte dieser bitteren Tatsache eine Utopie entgegen und kreierte den weißen Ritter. Er sollte die zerrissene Christenheit einigen und siegreich gegen die "Ungläubigen" antreten. Auf seinem Feldzug quer durch Frankreich und Spanien erreicht er Konstantinopel. Aber statt zu kämpfen gerät der weiße Ritter unter das Joch der Liebe. Jetzt kämpft er um die schöne Karmesina. Der weiße Ritter ist prachtvoll: ein Sittenbild der damaligen Welt, ein Ritterroman mit Ehrenkodex und Turnierregeln, ein erotischer Roman und ein spannend amüsantes Abenteuer. Der Roman vom "Weißen Ritter" ist einer der ersten Romane auf Altkatalanisch und damit ein ganz besonderer Beitrag zum Messeschwerpunkt Katalonien 2007.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.12.2007

Kersten Knipp sieht in diesem Ritterroman, der 1490 erschien, eine wehmütige Beschwörung des Rittertums, das in dieser Zeit bereits so gut wie verschwunden war. Der 1410 geborene Katalane Joanot Martorell erzählt darin noch einmal das exemplarische Leben des Ritters Tirant lo Blanc, der nach seiner Ausbildung erst nach England, dann nach Rhodos zieht, dort den belagerten Jesuitenorden befreit und später um die byzantinische Kaisertochter Carmesina wirbt. Anders als in älteren Ritterromanen helfen nicht göttliche Kräfte, sondern vor allem akribische Vorausplanung dem Ritter bei seinen Unternehmungen, was dem Rezensenten als untrügliches Zeichen gilt, dass die Moderne auch in diesem nostalgisch gestimmten Ritterroman eingezogen ist. Lobpreisungen werden dem Übersetzer Fritz Vogelgsang zuteil, der den jetzt erstmalig in allen drei Bänden auf Deutsch erschienenen Roman bereits vor zwei Jahrzehnten überaus gelungen und "flüssig" übertragen hat, und auch dessen Vor- und Nachwort ist laut Knipp mit besonderem Gewinn zu lesen.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.10.2007

Rezensent Tobias Schwartz hat große Freude an diesem bereits 1490 in Spanien erschienen Ritterroman, der nicht nur Vorläufer eines ganzen Genres war - Cervantes hat sich von Joanot Martorell inspirieren lassen -, sondern der auch, etwa bei den amourösen Eskapaden, "Shakespeare vorwegzunehmen scheint". Kurzum: Der nach Martorells Tod von Marti Joan de Galba vollendete Roman ist "ein Abenteuerspielplatz für Literaturhistoriker", denn der Roman markiert eine literaturgeschichtliche Zeitenwende. Schwartz nennt die für damalige Verhältnisse realistisch inszenierte Rittergeschichte einen "Schwellenroman". Zudem ist die erstmals vollständig auf Deutsch erschienene Geschichte auch noch "ganz großes Kino": "so etwas wie Hollywood vor 500 Jahren", merkt Schwartz begeistert an.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007

Sehr begeistert ist Rezensent Hans-Martin Gauger in die Lektüre dieses dreibändigen Romans eingestiegen. Entlang des Vorworts von Fritz Vogelsang ("kundig und lebendig") erzählt er die lange und illustre Editionsgeschichte, zitiert dabei eine Passage aus Cervantes' "Don Quijote", in der dieser Ritterroman als "das beste Buch der Welt" bezeichnet wird, und Mario Vargas Llosa, der diesem "Buch ohne Leser" bereits 1968 die Wiederentdeckung wünschte. Gauger lobt die Übersetzung von Fritz Vogelsang und findet zudem, hier liege eine Art "narratives Handbuch des sich verabschiedenden Mittelalters" vor. Die Geschichte vom Reisen, Lieben und Tod des Ritters Tirant, den Vargas Llosa schon einen Sitten- und gar "erotischen Roman", genannt habe, sei nicht nur lesenwert, sondern auch leicht lesbar, so der Rezensent. Und nebenbei darf der Leser der Besprechung über eine Wort-Neuschöpfung staunen: Die Welt des Kreuzzüglers Tirant, bei dessen Waffentaten es mehrmals gegen die Türken geht, sei natürlich noch völlig "christlich, ja geradezu kardinalmeisnerisch in Ordnung" gewesen. Ach, da sind wir aber froh.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2007

Ein Buch, das unser immerwährendes Verlangen nach dem Großen und Allgemeinen stillt, sieht Rezensent Thomas Steinfeld in Joanot Martorells Ritterroman. Steinfeld, der dem Roman den Aufmacher der Buchmessenbeilage widmet, begrüßt Fritz Vogelgsangs "gewaltige" Übersetzungsanstrengung aber auch insofern, als ihm der Held hier "nicht schlichter als Harry Potter" und die Geschichte ungemein lebendig und spannend erscheint. Sprachliche Eleganz solcher Güte hat Steinfeld auch nicht unbedingt erwartet. Und wenn ihm die Lektüre doch mal zusetzt, dann deshalb, weil hier die Ritter-Typologie erst mühsam entworfen wird, von der Potter, Frodo und andere höfische Nachfahren noch heute zehren können.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.10.2007

Martin Zähringer begrüßt Fritz Vogelgsangs hervorragende deutsche Übersetzung von Joanot Martorells epischem Roman vom "Weißen Ritter Tirant lo Blanc", bei dem wir es mit einem veritablen Superritter zu tun haben: Tirant lo Blanc kann nicht nur Köpfe spalten, er ist auch schön, belesen, intelligent, verführerisch und unbesiegbar. Er verweist auf den Martorell-Verehrer Mario Vargas Llosa, der diesen voluminösen, jetzt in drei Bänden vorliegenden Roman aus der Mitte des 15. Jahrhunderts als höchst komplexe "moderne Dichtung" feierte, die Ritter- und historischen Roman, Sitten- und Gesellschaftsroman, erotischen und psychologischen Roman integriere. Zähringer kann sich diesem Urteil nur anschließen, findet er doch in dem Werk des katalanischen Dichters neben der Darstellung vieler blutiger Schlachten und Ritterturniere einen umfangreichen Diskurs über Liebe und Begehren sowie philosophische Reflexionen zu allen Fragen des Lebens. Er stellt Vargas Llosas Einschätzung, Martorells Roman zeuge von Zweckfreiheit und Kunstautonomie, Vogelgsangs Überzeugung gegenüber, das Werk habe eine pädagogische Bestimmung, als "geistige Rüstung eines fundamentalistischen Rittertums", als "politischer Auftrag zur (ausgebliebenen) Einigung des abendländischen Christentums". Dass sich das herauslesen lässt, räumt Zähringer ohne weiteres ein, hält aber auch fest, dass, sollte dies wirklich der Schreibanlass gewesen sein, das Werk als "Betriebsunfall des christlichen Fundamentalismus" anzusehen wäre. Die Zweifel an Martorells Urheberschaft für islamfeindliche Passagen, die Vogelgsang hege, scheinen ihm berechtigt, zeige der Übersetzer doch, dass für diese Ausfälle die Angst des Herausgebers vor Angriffen des Klerus verantwortlich zu machen sei.

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