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Klappentext
Aus dem Katalanischen von Charlotte Frei. Im Kongo, diesem endlosen Meer von Bäumen, geschehen seltsame Dinge. Was bedeutet das unheimliche Kreischen aus der Tiefe? Sind das die Klänge der afrikanischen Nacht? Oder der Schrei nach Vergeltung? Thomson ist Ghostwriter und erhält den Auftrag, Garvey's Unschuld zu beweisen. Weshalb ist er angeklagt? Angeblich hat Garvey im Kongo zwei britische Aristokraten und Goldgräber umgebracht. Thomson schreibt dessen Geschichte auf - der Angeklagte muss unschuldig bleiben, unbedingt. Auf der Suche nach der Wahrheit gerät Thomson immer tiefer in Afrikas Mitte: undurchdringliche Vegetation, emotionale Verstrickungen und ein Netz endloser Lügen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.08.2008
Überwiegend lobend äußert sich Uwe Stolzmann über den zweiten Roman des katalanischen Schriftstellers Albert Sanchez Pinol. Wie dessen Debüt "Im Rausch der Stille" hat auch "Pandora im Kongo" eine faszinierende und irritierende Wirkung auf ihn ausgeübt. Der Roman um den jungen Ghostwriter Thomas Thomson, der die im Kongo spielende Geschichte des wegen Doppelmordes angeklagten Marcus Garvey aufschreibt und diesem dabei auf dem Leim geht, scheint ihm überaus komplex. Besonders schätzt er Pinols souveräne Beherrschung von Sprache und Komposition. Auf der anderen Seite mutet ihn der Text bisweilen ein wenig lang, der Stoff "ausgewalzt" an. Dabei hebt er die zahllosen Anleihen bei Jules Verne und Joseph Conrad, bei Märchen und Gruselgeschichten hervor. Zudem bedient sich Pinol ausgiebig bei seinem ersten Roman: Die aggressiven Scheusale aus dunklen Welten und die Besessenheit des Helden für eine betörende Fremde kommen Stolzmann sehr bekannt vor. Gleichwohl gesteht er ein, vom Autor, den er als literarischen "Zauberkünstler" würdigt, in den Bann geschlagen worden zu sein.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2007
Mit gemischten Gefühlen betrachtet Rezensent Alexander Müller diesen neuen Roman des katalanischen Schriftstellers Albert Sanchez Pinol. Die verwickelte und mit vielen Elementen der Kolportage sowie des Abenteuer-, Horror- und Science-Fiction-Romans angereicherte Geschichte findet er durchaus amüsant, klug und fesselnd. Zumindest über weiten Strecken. Dann aber setzt sich bei ihm der Eindruck durch, der Autor habe zu dick aufgetragen, und das raffinierte Spiel mit Genreversatzstücken, ironischen Brechungen, Verschachtelungen und der Roman-im-Roman-Konstruktion beginnt ihn zu ermüden. Pinol reflektiere und entlarve zwar die Gesetze und Konventionen der Trivialliteratur, aber mache den Roman noch nicht zu einem "tiefgründigen Werk", hält Müller fest. Nichtsdestoweniger bescheinigt er dem Roman einen hohen Unterhaltungswert.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.10.2007
Kai Wiegandts Urteil über den Roman "Pandora im Kongo" des katalanischen Autors Albert Sanchez Pinol fällt zwiespältig, aber durchaus respektvoll aus. Der Ghostwriter eines Schundautors, Thomas Thomson, soll im Auftrag des Anwalts des Zigeuners Marcus Garvey, der wegen Mordes seiner Dienstherren in der Todeszelle sitzt, dessen Geschichte aufschreiben. Neben diesem überwiegend im Kongo spielenden Krimigeschehen, das unterfüttert ist mit dem schrecklichen Gemetzel der weißen Kolonialherren an den schwarzen Einwohnern, führt der Autor hier ein durch auffällige Blässe und sechs Finger je Hand charakterisiertes Volk der "Tektoner" ein, die dem Roman eine phantastische Dimension geben, dabei aber auch deutlich machen, dass es sich bei der Unterdrückung durch die weißen Besetzer nicht um eine Frage der Hautfarbe, sondern schlicht um Macht und Beherrschung handelt, erklärt der Rezensent. Während sich für ihn der Anfang des Romans noch sehr geschmeidig liest, findet er die Lektüre in der Mitte eher mühsam, weil bei extrem turbulenter Handlung so wenig Plastizität erreicht wird, wie er murrt. Das liege nicht zuletzt an der mitunter allzu klischeehaften, einfachen Sprache von Sanchez Pinol, diagnostiziert der Rezensent, der von der Komik des Romans dann wieder sehr angetan ist. Als beeindruckenden "Kunstgriff" aber weiß er zu würdigen, dass bis zuletzt im Dunklen bleibt, wer hier eigentlich wessen Geschichte warum erzählt, denn das macht die Sache dann schon wieder spannend, findet Wiegandt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2007
Als "jenen Schundroman, den wir schon immer lesen wollten," feiert Rezensent Ulrich Baron diesen Roman, der natürlich nicht Schund, sondern ein subtiles literarisches Spiel ist, wie er uns gleich versichert: Ein Buch über die "Leidenschaften und Begierden des Lesens" nämlich. Es geht, wie man ließt, um einen Strafverteidiger, der zusammen mit seinem Klienten (dem mutmaßlichen Mörder zweier Männer) und einem Schundschreiber ein Buch veröffentlichen will, in dem die Tat in eine öffentlichkeitswirksame Form gebracht werden soll. Dies zieht natürlich und zum Vergnügen des Rezensenten Geschichten in der Geschichte nach sich, bildet sozusagen eine narrative Pandorabüchse, die es für den Rezensenten in sich hat. Und auch das flüchtige Glück wird thematisiert, das für ihn immer zum Lesen gehört: die Hoffnung, dass eine erfundene Geschichte vielleicht wahr sein könnte.
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