Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Jurek Becker

Jakob der Lügner

1 CD. Gelesen von Jurek Becker

Cover: Jakob der Lügner

DHV - Der Hörverlag, Hamburg 2007
ISBN-10 3867171130
ISBN-13 9783867171137
CD, 14,95 EUR

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Klappentext

1 CD, 60 Minuten. Gekürzte Autorenlesung. Der Ich-Erzähler, Überlebender eines polnischen Ghettos, schildert die Geschichte des Ghettobewohners Jakob Heym, der durch Zufall im deutschen Polizeirevier aus dem Radio Satzfetzen einer Meldung vernimmt, die fortan das Leben im Ghetto verändern sollte: "In einer erbitterten Abwehrschlacht gelang es unseren heldenhaft kämpfenden Truppen, den bolschewistischen Angriff 20 km vor Bezanika zum Stehen zu bringen." Jakob kennt diesen Ort nur vom Hörensagen, doch weiß er, dass Bezanika nicht weit vom Ghetto entfernt liegt. Zugleich wird ihm bewusst, dass diese Nachricht den Ghettobewohnern einen konkreten Anlass zum Durchhalten geben würde. Um die Glaubwürdigkeit seiner Informationen zu erhöhen, behauptet Jakob, über ein Radio zu verfügen, dessen Besitz natürlich verboten ist. Durch diese Notlüge gerät er in die Zwangslage, ständig neue Nachrichten erfinden zu müssen; sein Lügengeflecht führt zu tragikomischen Situationen und das technische Medium wird zum Symbol von Verheißung und Gefahr. Einerseits schöpfen die Ghettobewohner wieder Hoffnung; sie schmieden Pläne, die Selbstmordrate ist rückläufig. Andererseits befürchten einige seiner Leidensgenossen, dass die Entdeckung des Radios durch die deutschen Besatzer alle gefährden könne ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2007

Dies ist ein außergewöhnliches Hörbuch, stellt Rezensent Tilmann Lahme selbst ganz erstaunt fest. Und zwar liegt das daran, dass der Autor Jurek Becker die stark - um mehr als drei Viertel, schätzt Lahme - gekürzte Fassung persönlich liest. Die Aufnahmen sind dreißig Jahre alt, aber in Zeiten, in denen man sich an hochprofessionelle Literatureinlesungen von Schauspielern gewöhnt hat, ermöglicht der ausgesprochen eigenwillige Vortragsstil Beckers offenkundig eine außergewöhnliche Hörerfahrung. Professionell nämlich liest Jurek Becker, so Lahme, gerade nicht. "Fast schleppend und ein bisschen schnoddrig" wirkt das, beinahe vom eigenen Buch und vom eigenen Lesen ein wenig gelangweilt. Wundersamerweise passe das aber gut zur Geschichte des Ghettobewohners Jakob, der mit erfundenen Radiomeldungen von sich nähernden Befreiern den Optimismus in aussichtsloser Lage am Leben erhält. Wer diese Version der Geschichte einmal gehört hat, meint Lahme, wird bei jeder späteren Lektüre die Stimme Jurek Beckers im Ohr haben.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.10.2007

Diese zunächst als Sprechplatte erschienene, nun als Hörbuch wieder veröffentlichte Lesung Jurek Beckers aus dem Jahr 1976, schmilzt den Roman auf vergleichsweise wenige Ausschnitte ein - die Lesung dauert nicht länger als eine Stunde. Das macht aber gar nicht so viel, findet der Rezensent Martin Z. Schröder, schließlich erschließe sich der Roman, in dem Becker von einem Juden im Warschauer Ghetto erzählt, der die Berichte sich nähernder Rettung fingiert, auch in diesen geschickt gewählten Auszügen. Vor allem aber schwärmt Schröder von Jurek Beckers Sprech- und Leseweise, von seinem "Hochdeutsch mit Berliner Pastellfärbung" und dem Vokal-Singsang.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.09.2007

Begeistert, bewegt und berührt feiert Rezensent Mirko Weber diese Einlesung von Jurek Beckers Roman "Jakob der Lügner" durch den Autor selbst. Denn näher als in dieser "kostbaren, wundersam schlüssig gekürzten 60-Minuten-Version" des Romans könne man dem Kern von Jurek Beckers Schreiben nicht kommen: einer melancholischen, unaufgeregten Schlichtheit, in der selbst die Tristesse nie trostlos und doch nichts beschönigt werde. Nachdem Weber diese aus dem Jahr 1976, also kurz vor der Biermann-Ausbürgerung entstandene Aufnahme von Beckers Lesung seines berühmtesten Buches gehört hat, kann er eigentlich nur noch sagen: "nur so" könne man es lesen.

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