Aus dem Englischen übersetzt von Matthias Fienbork. Bis tief ins neunzehnte Jahrhundert war der Krieg eine Sache, die nur die Militärs etwas anging. Das änderte sich mit dem Aufstieg der Presse. Es war eine Sensation, als die Londoner "Times" nach dem Ausbruch des Krimkrieges im Jahre 1853 einen Sonderkorrespondenten in die Türkei und nach Russland schickte. Über Nacht wurde dieser Reporter zu einer europäischen Berühmtheit, und seine Zeitung zu einer politischen Macht. Russell hat den Typus des Kriegskorrespondenten erschaffen und verkörpert. Er war ein unbestechlicher Beobachter und ein beachtlicher Prosaist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.08.2000
Mit den Reportagen vom Krimkrieg für die Times, so Alex Rühle, begann die moderne Kriegsberichterstattung. Kein "devoter Sekretär" war der charmante begabte Russell, sondern ein "Haudegen", der selbst mit in die Schlacht zog und nur das beschrieb, was er gesehen und gründlich nachrecherchiert hatte. Rühle gibt einige Schilderungen Russells wieder und hebt hervor, dass hier nicht mehr von Helden und großen Taten die Rede war, sondern von Matsch und Pfützen, schlechter Ausrüstung und Unfähigkeiten. Weil einige Generäle ihn dennoch mochten, konnte Russell immer wieder seine Touren unternehmen - dreißig Jahre und sieben Kriege lang - obwohl die britische Heeresleitung ihn zu fürchten lernte. Neben dem Talent, "intuitiv militärische Zusammenhänge zu erfassen" besaß Russell, so Rühle, auch eine "große schriftstellerische Begabung". Der Band liest sich Rühle zu Folge außerdem wie eine "Militärgeschichte des 19.Jahrhunderts"; von Schlachten kleiner Berufsheere bis zum Aufeinandertreffen riesiger Armeen, von den krimschen Depeschen zur gekabelten Nachricht reichte seine Erfahrung. Allerdings blieb er immer dem genauen, wohlüberlegten Bericht treu; selbst als er bei Königgrätz die epochale Ablösung der österreichischen durch die preußische Herrschaft in Europa miterlebte, ließ er sich mit seinem Bericht Zeit, und kam "zwei Tage zu spät", schreibt Rühle.
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