Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Angela Praesent. 1865, der Amerikanische Bürgerkrieg liegt in den letzten Zügen. General William T. Sherman marschiert mit einer Armee von sechzigtausend Mann durch Georgia, South und North Carolina. Die notdürftig ausgestatteten Rebellen der Südstaaten haben keine Chance gegen die hochgerüstete Union. Und folglich führt Shermans Marsch zum Sieg der Nord- über die Südstaaten und zur Abschaffung der Sklaverei. Doch am Ende ist jeder Opfer des Krieges: einfache Soldaten ebenso wie hochstehende Generäle, befreite Sklaven ebenso wie ihre Unterdrücker, die Bewohner des Nordens wie des Südens.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.11.2007
Der Roman "Der Marsch" über den amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 von E.L. Doctorow hat Thomas Leuchtenmüller ausnehmend gut gefallen. Sehr gekonnt verbindet der amerikanische Autor in diesem Buch nicht zum ersten Mal historische Fakten mit Fiktion und erzählt in unterschiedlichen Stimmen von den Auswirkungen des Krieges, lobt der Rezensent. Das in der Literatur schon häufig aufgegriffene Thema präsentiere sich bei Doctorow in durchaus originellen Bildern und ihm sei hier eine Ausgewogenheit zwischen reflektierenden und handlungsbetonten Passagen gelungen, die seine früheren Bücher mitunter vermissen ließen, so Leuchtenmüller anerkennend. Mit zum Teil beeindruckend plastischen Figurenzeichnungen und ohne jede Schwülstigkeit vermag der Autor die Verheerungen des Krieges eindrücklich vor Augen zu führen, schwärmt der Rezensent weiter, der auch die Übersetzung in ihrer Mischung aus Präzision, Phantasie und Beherztheit als sehr gelungen würdigt. Es gibt pointiertere Bücher über den amerikanischen Bürgerkrieg und auch in diesem Werk tauchen Figuren auf, denen man etwas mehr Kontur gewünscht hätte, räumt Leuchtenmüller ein. Dennoch ist der "Marsch" ein "Werk, das Bestand" haben wird, so der Rezensent überzeugt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.11.2007
Rezensent Georg Diez kniet nieder vor E. L. Doctorows neuem Roman, den er als "traurigen patriotischen Hymnus" gelesen hat und so "plastisch, so drängend, so geschichtsgeladen wie alles" findet, was dieser amerikanische "Geschichtsbeschwörer" bisher geschrieben hat. Und er kniet vor diesem Autor selbst, den er neben Thomas Pynchon und Cormack McCarthy im "postmodernen Pantheon der Mythenmixer" wissen will. Denn der Rezensent versteht diesen Roman über die letzten Tage des amerikanischen Bürgerkrieges auch als einen "Gegen- oder Parallelroman" zu Pynchons letztem Buch "Against the Day" oder McCarthys "Die Straße". Anders als McCarthys schicksalsschwere Bücher, sieht der Rezensent dieses Buch hier allerdings in vielen Farben leuchten. Noch die subtilsten Schattierungen der Haut erzählen aus seiner Sicht mehr über die "Bürden einer Biografie", als "alles psychologische Rumoren". Im Zentrum steht seiner Beschreibung zufolge der Nordstaatengeneral Sherman und sein späterer Attentäter, der junge, schlaue Soldat Arly, dazu ein deutschstämmiger Arzt und ein schönes Mädchen. Aus einer Handvoll Figuren baue Doctorow mit beeindruckender Souveränität sein Bürgerkriegspanorama, beeindruckende Prosa, die von der Historie erfüllt und getrieben wird wie von einem "Puls, einer Kraft, einem Strom".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2007
Ist es zu fassen? Gibt es denn gar nichts auszusetzen an diesem Schinken über den amerikanischen Bürgerkrieg? Jens-Christian Rabe macht sich auf die Suche. Keine leichte Aufgabe bei einem 400 Seiten "gewaltigen Historienpanorama". Aber da geht es schon los: E. L. Doctorow ist eben ein "traumwandlerisch sicherer Geschichtenerzähler" und dem ist sich nur schwer zu entziehen. Gleich ist Rabe mittendrin in der rollenden Schlacht und dem "hochspannenden Dilemma" eines Krieges für das Gute, geführt von einer, wie er schreibt, immer gebrochenen Perspektive auf das monströse Geschehen. Die so offerierten Puzzleteile erzeugen Spannung, so dass Rabe weiterlesen muss, auch wenn der Stil ihm eher "zeitlos altmodisch" erscheint. Darum geht es nicht. Sondern um das "makellose" Stoff-Arrangement. Dahinter scheint nur manchmal etwas auf, das auf den Rezensenten irgendwie "läppisch" wirkt. Es ist die Ahnung vom Krieg als Vater aller Dinge. Aber wie "virtuos" verpackt!
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2007
Ein Buch, das den Rezensenten nicht loslässt. Atemlos, aber begeistert berichtet Heinrich Wefing von seiner Lektüre. "Grandios" findet er den Reigen aus "Blut und Gedärm", den E. L. Doctorow inszeniert, gerade weil sich der Autor dem amerikanischen Albtraum des Bürgerkrieges als Chronist und nicht als Südstaaten-Romantiker widmet. Drastik, gefasst in kluge, beherrschte Sprache. So beschreibt Wefing das Vorgehen des Autors, den er von jeglicher Effekthascherei freispricht. Das tiefe Eintauchen in das Wesen des Krieges und die gebotene Figuren- und Ereignis-Fülle lassen Wefing sogar an Tolstoi denken. Überrascht hat ihn nicht zuletzt das differenzierte Bild des Nordstaaten-Generals Sherman, das Doctorow hier zeichnet.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.08.2007
"Tiefe Zufriedenheit" dringt uns aus der Kritik von Rezensent Michael Rutschky entgegen, der, noch ganz benommen von seinem Lektüreerlebnis, " solide Autorenarbeit, solide Lektüre" brummt. Das Thema des Romans sei "die Geburt des modernen Krieges aus dem Geist des amerikanischen Bürgerkriegs", lesen wir. Und um dieses handlungs- und sinnessatt zu demonstrieren, habe Doctorow Lew Tolstojs "Krieg und Frieden" intensiv studiert, erspare dem Leser aber dessen "Reflexionsdampf" und liefere stattdessen Handlung pur: der berühmte Marsch des siegreichen Nordstaatengenerals William Tecumseh Sherman durch drei amerikanische Südstaaten,, ausgestattet mit " stillen und heftigen Szenarien", Schlachten, historisch verbrieften Ereignissen, Soldaten- und Flüchtlingsströmen, die auch Figuren mitreiße, die sich sonst nie begegnet wären. Bei der Beschreibung der vielen Personen und Ereignisse, die das Romangeschehen tragen, beeindruckt Doctorow unseren Rezensenten immer wieder mit "vorbildlicher" erzählerischer Ökonomie.
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