Ob das Ehrenwort namhafter Politiker oder der Schandpranger im Internet, Ehre spielt auch heute noch eine Rolle im öffentlichen Leben. Doch wie entwickelte sich der Begriff? Scharfsinnig, anschaulich und mit vielen konkreten Beispielen, zeichnet Dagmar Burkhart die unterschiedlichen Ausprägungen der Ehre und ihres Gegenstücks, der Schande nach und entwirft so eine Kultur- und Sittengeschichte vom Mittelalter bis heute. Diese spiegelt auch den deutschen Sonderweg des Begriffs der Ehre wider, in dessen Namen so viel Entehrendes geschah.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2007
Für Caspar Hirschi ist das Buch ein "Warnsignal": Was einer sich als Dachwissenschaft verstehenden synthetisierenden Kulturanthropologie droht, sieht er in der Arbeit von Dagmar Burkhart realisiert: Eine methodisch wie inhaltlich defizitäre Wissenschaft. Hirschi erkennt die Problematik "schon beim Aufbau" des Buches, einer nur schwer nachvollziehbaren Gliederung, die sich in ihm rätselhaft erscheinenden methodischen Prämissen und inhaltlichen Fragwürdigkeiten spiegelt. Ob die Autorin beispielsweise die Literatur kennt, "die sie bespricht", möchte Hirschi gar bezweifeln. "Bedenklich" wird es für ihn, wenn die Autorin der "Doktrin der inneren Ehre" aufsitzt und Untersuchungsobjekt und analytische Kategorie miteinander verschmelzen. Die angepeilte Analyse des Übergangs von der ständischen zur bürgerlichen Ehrkultur erscheint Hirschi unter diesen Voraussetzungen geradezu unmöglich.
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