Richard Wagner ist seit über hundert Jahren auch der "Fall Wagner". Es ist noch immer unmöglich, über ihn zu schreiben, ohne auf Adornos "Versuch über Wagner" und dieses außerordentliche Pamphlet Nietzsches Bezug zu nehmen: Diese zwei entscheidenden Texte über das Phänomen Wagner verwirren noch immer die Karten der Kritik. Der italienische Musikphilosoph Mario Bortolotto nimmt mit "Wagner der Dunkle" die Herausforderung an und rechnet mit diesen beiden Texten ab, ebenso wie mit dem Wagnerismus und den Wagnerianern.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.06.2007
Dunkel, wirklich! Jens Malte Fischer tappt in diesem Buch herum, wie in einem überdimensionalen Zettelkasten. Was der Musikphilosoph Mario Bortolotto verzapft hat, steht für ihn in der Tradition einer raunend "Bildungsgeröll" um sich anhäufenden kulturwissenschaftlichen Literatur, die ihren Gegenstand nur noch weiter entrückt. Bortolotto, meint Fischer, gelingt das vorzüglich, indem er möglichst Unverständliches von sich gibt (den Übersetzer trifft nach Fischers Ansicht ausdrücklich keine Schuld!), uralte Gerüchte aufwärmt und alles ganz "ohne konzise Thesenentwicklung und Beweisführung", dafür garniert mit "drucktechnisch mäßigen", fehlerhaften Notenfaksimiles und wenig originellen musikalischen Analysen.
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