Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Englischen von Judith Schwaab. Ugwu, ein ungebildeter kleiner Junge, kommt als Hausboy aus einem Dorf zu einem linksintellektuellen Dozenten in der Universitätsstadt Nsukka. Hier lernt Ugwu lesen, schreiben und selbständig denken und wird von der Geliebten seines Herrn unter die Fittiche genommen. Olanna stammt aus einer wohlhabenden, aber auch korrupten Familie und versucht, ihren eigenen, unabhängigen Weg zu gehen. Sie teilt die freiheitlichen Überzeugungen ihres Geliebten und lehnt es ab, wie ihre Zwillingsschwester auf der Klaviatur der Macht zu spielen. Der englische Schriftsteller Richard sucht in Nigeria nach Inspiration, ist fasziniert von der alten Igbo-Kunst und verliebt sich Hals über Kopf in Olannas Zwillingsschwester Kainene. Richard, Ugwu und Olanna werden Zeugen der überschäumenden Hoffnung, als im Osten Nigerias, wo die meisten Angehörigen der Igbo leben, der unabhängige Staat Biafra ausgerufen wird - und sie erleben, wie Biafra nach nur drei Jahren in einem der schlimmsten Bürgerkriege, die in Afrika je geführt worden sind, wieder untergeht. Wie die Hälfte der Sonne, die auf Biafras Flagge strahlte.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2007
Verdienstvoll findet Tobias Döring den Versuch, Biafra wieder ins Bewusstsein der Leser zu bringen. Mehr als den Ernst und den Fleiß, mit der die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie aufgrund eigener Erfahrungen und Recherche den Plot um zwei Frauen aus Lagos als Historiendrama zu konstruieren versucht, mag er allerdings nicht preisen an diesem Buch. So erschütternd Döring die Alttagsszenen im Schatten des Biafra-Krieges auch findet, die Lektüre reißt ihn doch nicht mit. Als allzu schematisches Produkt eines Creative-Writing-Kurses geht das durch für ihn, nicht als spannender, überzeugender Roman.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.09.2007
So richtig glücklich geworden ist Rezensent Florian Welle mit diesem Roman nicht. Gewiss, die Autorin, die teils in Amerika teils in Nigeria lebende Chimamanda Ngozi sei eine "sensible" Erzählerin und der Roman besitze durchaus "Schmöckerqualitäten". Aber die Konstruktion ist Welle zu simpel. Erzählt wird nämlich die Geschichte einer Familie zu Zeiten des Bürgerkriegs. Der ist nur wenigen Lesern bekannt, und Adichie hat darum einen "Roman im Roman" eingefügt, der die nötigen Hintergrundinformationen liefern soll. Dem Rezensenten erscheint dieses Buch im Buch wie ein "sperriger Fremdkörper". Er hätte sich eine elegantere Lösung gewünscht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.08.2007
Wohlwollend betrachtet Rezensent Martin Zähringer diesen Roman über den Biafra-Krieg im Südosten Nigerias Ende der 1960er Jahre, den Chimamanda Ngozi Adichies vorgelegt hat. Dabei kann er allerdings nicht verhehlen, dass das Buch eher einer privaten Perspektive verhaftet bleibt. Im Mittelpunkt der vor allem in der afrikanischen Mittelklasse spielenden Geschichte sieht er den aus ärmlich-ländlichen Verhältnissen stammenden Ugwu, der Hausboy bei einem liberalen Universitätsprofessor und seiner in England promovierten Geliebten wird, wo er nicht nur Putzen und Kochen lernt, sondern auch Lesen, Schreiben und selbstständig Denken. Als zwangsrekrutierter Soldat führt Ugwu den Leser durch das Chaos des Krieges und mausert sich allmählich zum Schriftsteller, dessen Buch die Autorin als Buch im Buch zwischen den Erzähltext schaltet. Zwar bescheinigt Zähringer, den Schilderungen der von Soldaten begangenen Massaker an den Igbo, eine "starke humane Wirkung". Aber letztlich scheint ihm das Werk doch eher ein Familien- und Mittelschichtroman zu sein. Die literarische Gestaltung der "universellen" Dimension der Tragödie des Biafra-Kriegs steht seines Erachtens noch immer aus.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.05.2007
Rezensent Walter van Rossum ist beeindruckt und hat auch ein Fünkchen Hoffnung nach der Lektüre dieses Romans, der im Bürgerkrieg in Nigeria vom Anfang der 60er Jahre bis 1970 spielt. Chimamanda Ngozi Adichies hat kein Kriegsbuch und auch kein politisches Buch, sondern zunächst einmal eine Art Familienroman geschrieben, der in der afrikanischen intellektuellen Mittelschicht angesiedelt ist, stellt der Rezensent nicht ohne Überraschung fest. Geschildert wird das Leben des Hausangestellten Ugwu, der bei einem Mathematikprofessor und einer Soziologin fast wie ein Sohn lebt, bis erst ein überaus bürgerlicher Skandal und dann der Unabhängigkeitskrieg Biafras über das Idyll hereinbricht, fasst der Rezensent zusammen. Nicht nur, weil über die afrikanische Mittelklasse, die heute so gut wie ausgelöscht ist, kaum je zu lesen ist, zeigt sich Rossum so fasziniert von diesem Roman. Ihm imponiert außerdem, dass es der Autorin nicht um die Frage geht, wer Schuld an dem Krieg hat, sie interessiere sich vielmehr dafür, was der Krieg mit und aus den Menschen macht. Und schließlich gelingt es Adichie, bei den Lesern trotz der Schilderungen von den Verheerungen des Krieges auch ein bisschen Hoffnung auf ein besseres Afrika zurück zu lassen, so der Rezensent dankbar.
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