Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Die Wortführer im gegenwärtigen deutschen Journalismus sind verunsichert, seit hergebrachte Ideologien nichts mehr taugen und ihr Publikum flüchtig ist. In letzter Zeit behandelt die publizistische Elite mit Vorliebe nationalpolitische und neureligiöse Themen - eine konservative Wende, die in ihrer Heftigkeit verblüffend ist. Lutz Hachmeister analysiert den publizistischen Wandel von den alten Bonner Zeiten zur Berliner Medienrepublik und beschreibt den neuen »Wohlstandsjournalismus«. Er untersucht, wie Politiker auf die schwankenden Stimmungen der journalistischen Elite reagieren - bis hin zur fundamentalen Medienkritik des SPD-Kanzlers Gerhard Schröder. Zugleich erforscht Hachmeister das Berufsbild des Elite-Journalisten und zeigt, wie sich dessen gesellschaftliche Position im Laufe der Jahre und Jahrzehnte verändert hat - zuletzt durch den Siegeszug des Boulevards und der Online-Medien.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2007
Rezensent Helmut Lölhöffel hat Lutz Hachmeisters kritische Auseinandersetzung mit dem Journalismus in der Berliner Republik durchaus mit Gewinn gelesen, auch wenn ihm manches unausgegoren scheint. Zwar hat ihn nicht alles an dem Buch überzeugt, aber einige von Hachmeisters pointierten Thesen findet er recht plausibel, etwa die Ansicht, das öffentlich-rechtlichen Fernsehen habe seine Rolle als politisches Leitmedium verloren oder die Diagnose einer Verwischung der Grenzen zwischen Journalismus, Lobbyismus und Politik. Die Abrechnung mit tonangebenden Journalisten wie Hans-Ulrich Jörges (Stern) oder Gabor Steingart (Spiegel) findet er zudem "amüsant" formuliert. Insgesamt liefert der Autor seines Erachtens eine Menge von treffenden Impressionen aus der "nervösen, eitlen und verspielten Zone" zwischen Politik und Journalismus.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.06.2007
Etwas enttäuscht zeigt sich Rezensentin Ulrike Winkelmann von Lutz Hachmeisters neuem Buch, das aus ihrer Sicht kaum mehr ist als eine "kommentierte Nacherzählung" des Mediengeschehens der Berliner Republik bis zu Schröders Wahlniederlage - und zwar unter besonderer Berücksichtigung von Persönlichkeiten wie Sabine Christiansen und Frank Schirrmacher, Gabor Steingart oder Hans-Ulrich Jörges. Zwar schreibe Hachmeister flüssig und originell und zäume sein Buch aktuell auf. Nur erschließt sich der Rezensentin nicht, was Hachmeister hier eigentlich aussagen will. Denn das Wichtigste, nämlich wie es zum "reaktionären Untergangsgetöse" von Rot-Grün nach der Wahl kam, erkläre das Buch nicht. Und auch nicht, wie Hauptstadtjournalismus nach dem "distanzlosen, macht-und Schröder-Fischer-verliebten" Journalismus aussehen könnte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.05.2007
Ein schlechtes Zeugnis stellt Lutz Hachmeister in diesem Buch dem Journalismus in der Berliner Republik aus, und Rezensent Dieter Rulff geht mit Hachmeisters Bestandsaufnahme im Großen und Ganzen d'accord. Wie Rulff darstellt, hat in Hachmeisters Augen die "journalistische Kultur" in den vergangenen Jahren vor allem durch eine "neo-konservative Wende" ernsthaften Schaden genommen. Ein Netzwerk aus bürgerlichen Journalisten (genannt werden Schirrmacher, Christiansen, Dieckmann, Döpfner, Jörges, Matussek und Steingart), PR-Strategen, Ökonomen und angeblichen Experten für öffentliche Kommunikation habe sich in Führungsposition gebracht und die gute Recherche durch polarisierenden Kampagnen-Journalismus ersetzt. Für Hachmeister, so Rulff, können nur linke Journalisten auch gute sein, dass auch konservative Journalisten gute Recherche und Reportagen leisten können, glaubt Hachmeister nicht. Was Rulff dem Buch aber einzig ankreidet, ist, die Frage offenzulassen, ob diese Wende im deutschen Journalismus ein vorübergehendes oder nachhaltiges Phänomen ist. Der Rezensent meint nämlich schon Ermattunsgerscheinungen bei den neokonservativen Streitern zu erkennen.
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