Seit deutsche Autoren über Amerika, genauer: die USA schreiben, geschieht dies in einer Ambivalenz von Faszination und Abwehr. Aber erst im 20., dem "amerikanischen" Jahrhundert, entfalten sich die widersprüchlichen Gefühle in vorher nicht gekannter Breite. Zugleich aber sind sie fast allen, die nach Amerika reisen - zu Schiff, durch die Luft oder auch nur im Kopf - bewusster als zuvor. Dass Amerika eine Projektion des europäischen Geistes sei, hat Paul Valery für seine europäischen Kollegen festgehalten. Und wenn Peter Bichsels "Amerika gibt es nicht" vielen als eidgenössische Übertreibung erscheint, so könnten sich doch die meisten auf Carl Zuckmayers Lakonismus verständigen: "Amerika ist anders!" Aber anders als was? Anders als Europa? Anders als wir denken? Anders als es sich selber sieht? Diesen Fragen und Aspekten geht dieser Band anhand vielfältiger Beispiele aus der deutschsprachigen Literatur und Publizistik des 20. Jahrhunderts nach, von Karl Rossmanns kafkaesker Ankunft in Amerika bis zur literarischen Verarbeitung des 11. September 2001.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2007
Klaus Benesch lobt diese Anthologie zum Amerika-Bild deutschsprachiger Autoren des 20. Jahrhunderts als erhellend und stellt fest, dass sich aus den Texten der darin versammelten Schriftsteller eine durchaus "differenzierte" Sicht von Amerika ergibt. Als besonders prägend habe das symbolisch überhöhte Amerika von Franz Kafkas Romanfragment "Der Verschollene" gewirkt und sich unabhängig von den tatsächlich gemachten Erfahrungen auf die Erwartungen und Haltungen der verschiedenen Autoren ausgewirkt, entnimmt der Rezensent interessiert diesem Band. Besonders erfreut hat sich Benesch am letzten Beitrag dieses Bandes, in dem die durch Ablehnung geprägte Haltung heutiger Autoren gegenüber ihren amerikanischen Kollegen als "kleinmütige Peinlichkeit" entlarvt wird.
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