Volker Neuhaus legt das Leben Johann Wolfgang von Goethes nach und setzt es immer wieder zu seiner Lyrik in Beziehung. Der Autor rückt vor allem die intellektuelle und poetische Entwicklung Goethes in den Blickpunkt, von seiner vom Vater minuziös geplanten Ausbildung über seine Erfahrungen im pulsierenden Leipzig, wo er Mitte des 18. Jahrhunderts sein Jurastudium aufnimmt und eine Art Kulturschock erlebt, bis hin zur Auseinandersetzung mit dem Pietismus und dem Studium der Naturwissenschaften. Aus religiösen Quellen sowie Impulsen aus Chemie und Physik formt Goethe sein Weltbild, welches Volker Neuhaus in der Lyrik über alle Liebesverstrickungen eines reichen Dichterlebens hinweg verfolgt, von der Liebe des Einundzwanzigjährigen zu Friederike Brion bis zur Passion des Vierundsiebzigjährigen für die neunzehnjährige Ulrike von Levetzow. Über ein halbes Jahrhundert hinweg hat Goethe das lyrische Schaffen Deutschlands geprägt, von den Stürmern und Drängern bis hin zu Eichendorff, Heine und von Platen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.09.2007
Vorzug wie Problem dieser Goethe-Biografie ist die Nähe des Autors zu seinem Gegenstand, findet der Rezensent Manfred Koch. Zum Guten schlägt ihm das aus, wenn er die Lyrik des Dichters interpretiert und über die Lyrik dessen Psychobiografie rekonstruiert. Dass nämlich für den Dichter die Angst vor der Erfüllung der Liebe diese erst ausmacht, habe Neuhaus, findet Koch, richtig erkannt. Und dass es zum Wesenszug seiner Dichtung gehört, Allerweltserfahrung in literarische Erkenntnis zu transformieren, das lasse sich bei Neuhaus auch treffend nachlesen. Für Goethes eher "skurrile" Züge aber, seine Manie, alles ihm Widerfahrende zum Zeichen und höherer Bedeutung umzudeuten, hat Neuhaus für Manfred Kochs Empfinden keinen Sinn. Vielmehr: Er neige dazu, dem Dichter im Hang zur Wesensbehauptung und Daseinsmonumentalisierung zu folgen. Da war die Forschung und auch die Biografik schon weiter. Koch empfiehlt darum doch eher die Goethe-Biografie von Nicholas Boyle als diese Neuerscheinung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.05.2007
Diese Biografie, die Goethes Leben anhand seiner Gedichte beschreibt, dürfte "auch Damen munden", schreibt die Rezensentin Hannelore Schlaffer etwas herablassend. Sie selbst ist natürlich keine, auch als "weibliche Leserin" möchte sie sich nicht verstehen, sondern - wie Volker Neuhaus selbst - als Literaturwissenschaftlerin. Und so langweilt sie sich einerseits über den alten Zopf der biografischen Methode, mit der Neuhaus aus Goethes Gedichten einen "Liebesroman" kondensiere. Andererseits seien auch die vom Autor aufgeführten Fakten der Fachwelt nur zu gut bekannt. Immerhin fehle bei Neuhaus jegliche moralische Bewertung, wie es bei einigen Biografinnen Goethes üblich sei. Ein weiteres Lob zollt die Rezensentin der Reflexionsebene, die der Autor zwischen das Geschehen und unserer heutigen Sicht darauf schiebe, dies erschwere unmittelbare Einfühlung. Worauf der Autor aber konsequenterweise verzichte sei das Thema, wie Biografisches in Literatur verwandelt werde. Das würde seine "platte Gleichsetzung" von Literatur und Techtelmechtel doch etwas stören.
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