Bücher der Saison
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Klappentext
Dass Religion Privatsache sei, gilt seit langem für ausgemacht. Dass dies ein Irrtum ist, darüber haben uns spätestens die Selbstmordattentäter belehrt. Die Frage, ob Gott solche Taten billigt oder missbilligt, ist von öffentlichem Interesse. Lassen sich Fragen nach der Existenz Gottes und nach einer eventuellen Offenbarung seines Willens rational erörtern? Und wenn ja, ist es berechtigt, sie auf sich beruhen zu lassen? Was steht dabei auf dem Spiel? Die Wahrheitsfähigkeit des Menschen - in dieser Antwort stimmt Robert Spaemann mit Friedrich Nietzsche und Richard Rorty überein. Nur mit dem Unterschied, dass diese Autoren beides leugnen, während Robert Spaemann beides, die Existenz Gottes und die Wahrheitsfähigkeit der menschlichen Vernunft verteidigt. Mit Wittgenstein hält Spaemann es für den Aberglauben der Moderne, dass uns die Naturgesetze die Welt erklären, während sie doch selbst das Erklärungsbedürftigste in der Welt sind.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2007
Bemerkenswert scheint Patrick Bahners dieser Band mit Robert Spaemanns gesammelten Aufsätzen zur Religion. Er hält ihm vor allem zu Gute, die Gottesfrage auch für Ungläubige interessant zu machen. Instruktiv findet er die Auseinandersetzung des Autors mit Theorien, die Religion auf ihre Nützlichkeit reduzieren und ihr lediglich Entlastungs- und Orientierungsfunktion zubilligen. Spaemann argumentiere, dass der Gläubige, der auf der Sinnhaftigkeit seines Glaubens bestehe, Widerstand gegen die Verdinglichung und Funktionalsierung der Welt leiste und das "Palladium der Subjektivität" verteidige. Bahners merkt kritisch an, dass Spaemann Denker, die als Zeugen aufruft, bisweilen etwas zurecht biegt, damit sie seinen Perspektiven entsprechen. In diesen Zusammenhang nennt er insbesondere Spaemanns Beschäftigung mit John Henry Newmans und dessen Gedanken zu Pluralismus und Individualismus im Katholizismus. Demgegenüber zeigt sich Bahners überaus beeindruckt von Spaemanns Darstellung der christlichen Weltsicht unter der Perspektive der Kontingenz und seiner Argumentation, wonach die funktionalistische Theorie der Religion als Kontingenzbewältigung für das Christentum nicht gelte.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.05.2007
Eine lohnende Lektüre sieht Uwe Justus Wenzel in diesem Band Robert Spaemanns mit Essays, Aufsätzen und Vorträgen über die Frage nach Gott. Er würdigt den Philosophen als einen kritischen Denker, der schon zu einer Zeit, als dies noch nicht wieder angesagt war, über Gott nachgedacht hat. Er teilt Spaemanns skeptischen Blick auf eine Gesellschaft, die Dinge wie soziale Beziehungen zunehmend rein funktional betrachtet und über ihren Tauschwert definiert, und sein Plädoyer für "unbedingte Überzeugungen". Der Autor versuche zu zeigen, dass die Gegenwart, die Wirklichkeit, die Einheit der Wirklichkeit, die Wahrheit, das Selbstverständnis des Einzelnen Täuschung, also unwirklich wäre, wenn Gott nicht existierte. Dass die Argumentationen Spaemanns lediglich "argumenta ad hominem" und nicht "logisch" zwingend sind, mindert für Wenzel nicht ihre Plausibilität.
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