Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Tschechischen von Milena Oda und Andreas Tretner. Im ehemaligen Adelssitz von Silem, einem Städtchen östlich von Prag, kümmern sich Nonnen um verlassene Kinder, die es aus verschiedenen Ländern hierher verschlagen hat. Unter ihnen ist auch der zwölfjährige Russe Ilja. Die flüchtenden Eltern haben ihn und seinen behinderten kleinen Bruder zurückgelassen. Der Alltag der Kinder ändert sich jäh, als Soldaten das "Heimdaheim" stürmen und die katholischen Schwestern deportieren. Unter der Leitung des Kommandanten dominiert ein militärischer Drill. Bücher werden verbrannt, die Vergangenheit umgeschrieben und Ilja zum Saboteur ausgebildet. Als Gerüchte über eine bevorstehende Invasion der Armeen der Warschauer-Pakt-Staaten Silem erreichen, bricht im Heim Chaos aus. Viele Jungen schließen sich den Rebellen in der "Silemer Autonomen Zone" an.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.07.2007
Für den Rezensenten Christoph Bartmann steht außer Frage, dass Jachym Topol der "interessanteste" Autor der tschechischen Literatur der Gegenwart ist, und auch sein jüngster Roman "Zirkuszone" bestärkt ihn in dieser Ansicht. Der Autor, einst Dissident, hat sich seine revolutionäre Aufmüpfigkeit bewahrt und vergreift sich nun nicht nur an tschechischen Mythen der jüngsten Geschichte, sondern treibt auch seinen Schindluder damit, stellt Bartmann fasziniert fest. Eine Kinderbande aus dem Waisenhaus wird von einem Offizier einer aufständischen Truppe gegen die einmarschierenden sowjetischen Truppen ausgebildet, was den jugendlichen Helden Ilja nicht daran hindert, zur Armee des Warschauer Pakts überzulaufen. Dies alles wird in einer künstlichen Räubersprache geschildert, die gewaltige Bilder und ein rasantes Tempo vorgibt und die zudem sehr gelungen ins Deutsche übersetzt worden ist, so der Rezensent anerkennend. Diesen Roman "wichtig" zu nennen, sei mit Sicherheit nicht genug, preist der schwer begeisterte Bartmann.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.07.2007
Paul Jandl staunt über die Klugheit von Jachym Topols Roman "Zirkuszone". Der Roman erzählt die Geschichte der Niederschlagung des Prager Frühlings aus der Perspektive des Jungen Ilja, eines alterslosen Kindes, das den Rezensenten ein wenig an Oskar Matzerath erinnert. Ilja führt als Partisan die Truppen des Warschauer Paktes heillos in die Irre. Der Roman zieht dabei verschiedene Zeitebenen zusammen, verdichtet das Geschehen mehrerer Jahre auf wenigen Seiten und lässt so karnevaleske, anarchische und zirkushafte Elemente der Geschichte erscheinen, wie der Rezensent begeistert hervorhebt. So deute schon der Titel des Buches auf die komplexe Zusammenstellung verschiedener Stile, Ereignisse und Wendungen, die der Roman auf grandiose Weise leistet, so der Rezensent. Die Anlage der Geschichte als Parabel legt ein neues "zyklisches" Geschichtsverständnis zugrunde und hebt sich so äußerst kunstvoll von früheren Darstellungen "dissidenter Autoren" ab, deutet der Rezensent anerkennend.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2007
Einen "kühnen und furchtlosen Text" erblickt Rezensent Peter Demetz in Jachym Topols Roman "Zirkuszone", in dem dieser der Frage nachgeht, wie es gewesen wäre, wenn sich die Tschechen nach der Niederschlagung des Prager Frühlings zur Wehr gesetzt hätten. Er liest das Werk, in dessen Mittelpunkt der heranwachsenden Waisenjunge Ilja steht, der von einer sowjetischen Panzertruppe adoptiert wird, als "Wiederinszenierung eines Traumas". Das Geschichtsdrama mutiert in seinen Augen dabei zum "absurden Theater". Beeindruckt zeigt er sich von der unbändige Fabulierlust des Autors, die Psychologie und konventionelle Plausibilität hinter sich lässt, um mit unglaublichen Begebenheiten und überstürzenden Ereignissen aus den Vollen zu schöpfen. Gelegentlich schießt der Autor für Dementz' Geschmack über das Ziel hinaus. Allerdings sieht er sich dann wieder versöhnt durch Topols virtuose Fähigkeit, literarische Zitate und Parodien einzubringen und zu verbinden. Mit hohem Lob bedenkt er auch Milena Oda und Andreas Tretner für ihre Übersetzungsleistung, eine "philologische Tat ersten Ranges".
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Von Lesern empfohlene Bücher
Laszlo Vegel: Bekenntnisse eines Zuhälters
Aus dem Ungarischen von Lacy Kornitzer. Im Mittelpunkt dieses legendären ungarischen Romans steht eine Gruppe ...
Karl Kraus, Franz Werfel: Karl Kraus - Franz Werfel
Herausgegeben von Christian Wagenknecht und Eva Willms. Eine dauerhafte Freundschaft hätte sich zwischen Franz ...
Archiv: Bücherschauen
Für ein Happy End
03.02.2012: Die FAZ versinkt in William Trevors sehr irischem Roman "Turgenjews Schatten", der von der Liebe zweier Menschen erzählt, die einfach nicht für das Leben gerüstet sind. Die SZ liest Krimis von Buddy Giovinazzo, verübelt ihm aber, dass er den literarischen Wahnsinn zum Tiefstpreis verschleudert. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen
Hanna Krall: Rosa Straußenfedern
30.01.2012: Briefe, Fragmente, Zettel und Erzählungen erzählen vom Leben der polnischen Autorin Hanna Krall, ihrer Freunde und Zeitgenossen. Der Zweite Weltkrieg, die Volksrepublik Polen, Solidarnosc, vergegenwärtigen sich in ihrer Biografie. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Rosa Straußenfedern". Mehr lesen
Peter Nadas: Parallelgeschichten
26.01.2012: Peter Nadas erzählt die Geschichte der Budapester Familie Demen und ihrer Freunde, deren persönliche Schicksale mit der ungarischen und deutschen Vergangenheit verknüpft sind. Meilensteine in diesem gewaltigen Epos sind die ungarische Revolution 1956, der ungarische Nationalfeiertag am 15. März 1961 und, rückblickend, die Deportation der ungarischen Juden 1944/45 sowie die dreißiger Jahre in Berlin. Lesen Sie hier einen Auszug aus Nadas' Roman "Parallelgeschichten". Mehr lesen







