Die zwei großen analytischen Traditionen, die Psychoanalyse Sigmund Freuds und die Analytische Psychologie C. G. Jungs, haben stark voneinander abweichende Konzepte des Gewissens und der Moral entwickelt. Das vorliegende Buch untersucht diese Entwürfe im Hinblick auf ihre Entstehung, ihre Unterschiede und ihre jeweilige Bedeutung für Theorie und therapeutische Praxis. Darüber hinaus geht die Autorin den Folgen dieser verschiedenen Konzepte bis in die gesellschaftliche und politische Realität hinein nach. Dabei spielt die Auseinandersetzung mit dem Judentum, Antisemitismus und Nationalsozialismus eine wichtige Rolle.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2007
Michael Pawlik ist die Mühe anzumerken, die ihm diese Lektüre bereitet hat. Anstoß nimmt der Rezensent sowohl am Niveau der von der Autorin diskutierten moralischen Weisheiten, wie an ihren Vorstellungen von einem reifen Gewissen. Der von Anita von Raffay ins Spiel gebrachte Begriff der Milde überzeugt Pawlik jedenfalls nicht: "Selbstaffirmation einer modischen Lebensform", nennt er das. Würde, für ihn dem Umfeld des Gewissens zugehörig, sei damit nicht zu erlangen, so erklärt er. Dem ernsthaft an einer Gewissenslehre interessierten Leser empfiehlt Pawlik die "Summa theologica" Thomas von Aquins.
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